Presse

Gute Nachricht für Patienten mit Zahnarzt-Angst

09. Juli 2011 Die Neue Frau

NEU! Karies Behandlung ohne Bohrer Wenn der Zahn schmerzt ist es fast schon zu spät.

Schon beim Geräusch des Bohrers bekommen viele schweißnasse Hände. Doch damit soll jetzt endlich Schluss sein, Eine neue Behandlungsmethode kann Karies ganz ohne Bohren Stoppen. Doch wie funktioniert das?

Bei der sogenannten Kariesinfiltration stoppt ein spezieller Kunststoff Karies. Mit einem Gummitouch wird der Zahn isoliert, dann wird die oberste Schicht der Kariesstelle mit einem Ätzgel entfernt. Anschließend wird der Bereich mit Alkohol getrocknet. Das freigelegte Porensystem im zahnschmelz wird mit einem speziellen Kunstoff aufgefüllt („infiltriert“), durch Licht gehärtet, stabilisiert und abgedichtet. Dadurch kann Karies gestoppt werden. Es können keine Bakterien mehr in den zahn eindringen. Die Behandlungsdauer pro Kariesstelle beträgt nur rund 30 Minuten. Großer Vorteil: Es geht deutlich weniger gesunde Zahnsubstanz verloren als bei der herkömmlichen Behandlung mit dem Bohrer.

Regelmäßige Kontrolle ist wichtig! Einziger Haken: Diese Methode kann nur angewendet werden, wenn das Loch nicht über die Schmelzschicht des Zahnes hinausgeht und nicht mehr als ein Drittel des Zahns befallen ist.

Neues Karies-Gel erspart den Bohrer

06. Mai 2011 Woche der Frau

Vergessen Sie ihre Angst vorm Zahnarzt

Gute Nachricht für alle, die aus Angst vorm Bohrer einen großen Bogen um jeden Zahnarzt machen: Die Behandlung von Karies ist stressfreier geworden - durch ein Mittel, dass lautlos die Faulstelle repariert.

Kein kreischendes Summen mehr, keine Panik vor den Schmerzen - das neue Gel sickert in die Karien hinein und härtet die poröse Stelle aus. »Icon«, so der Name des Produkts, wurde in einem Hamburger Dentallabor entwickelt. Es ist eine harzige Flüssigkeit, die der Zahnarzt mit hauchdünnen Folien aufträgt. Die angefaulte Stelle wird quasi umwickelt, damit das Mittel gut anhaftet und wirklich auch die gesamte Karies erfasst wird. Zuvor jedoch muss der Arzt dem Mittel erst mal den Weg bahnen. Das macht er mit einer Salzsäure, welche die oberste Mineralschicht des Zahns wegätzt. Dann kann die eigentliche Behandlungs-Substanz ungehindert eindringen - vor allem auch in Zwischenräume des Gebisses, wo sich am Rand der Zähne besonders gern Faulstellen verbergen. Die Therapie dauert ei¬ne knappe halbe Stunde. Am Schluss härtet der Arzt die neu entstandene, stabile Substanz mit einer speziellen Lampe aus. Zurück bleibt eine Zahnschicht, die frei ist von Fäule und Kariesbakterien.

Eine Einschränkung gibt es allerdings. Geht die Karies sehr tief, kann das neue Gel nichts mehr ausrichten. Dann muss doch der Bohrer her. Nur er kann die faulen Stellen so sauber wegbohren, dass wirklich nichts übrig bleibt von der Karies. Oder der Arzt wählt einen Mittelweg: Er bohrt sozusagen die Faulstelle vor, bis ein Gutteil der Karies weg ist. Den Rest erledigt dann das Gel. Billig ist die Behandlung mit dem sanften Karies-Entferner nicht. 130 Euro kostet sie im Schnitt pro Zahn. Tipp: Vorher die Kasse fragen, ob sie die Kosten übernimmt.

Gel statt Bohrer – und andere gute Nachrichten

01. Mai 2011 Neue Welt

Wer geht schon gern zum Zahnarzt. Es gibt jedoch Neuerungen, die demnächst den Gang zu ihm erleichtern - allerdings noch ohne finanzielle Unterstützung der Kassen.

Kariesinfiltration bzw. Icon heißt das völlig schmerzfreie Verfahren bei dem die kariöse Stelle erst mit einem Gel vorbehandelt und dann mit einem unsichtbaren, lichthärtenden Kunststoff verschlossen wird. Mit Icon kann Karies im Anfangsstadium sowohl in den Zahnzwischenräumen als auch auf den glatten Flächen behandelt werden. Der große Vorteil: Die Zahnsubstanz bleibt erhalten. Es gibt aber zwei Einschränkungen: Icon eignet sich nur bei beginnender oder mittlerer Karies (regelmäßige Vorsorge!). Sitzt die Karies zu tief oder ist schon ein Loch da, muss doch gebohrt werden. Kosten pro Behandlung ca. 100 Euro. Infos unter www.bohren-nein-danke.de.

Photodynamische Therapie

Ein Laser schießt ein winziges Loch bis in den Kariesbereich. In diesen Kanal wird eine fotoaktive Substanz eingefüllt. Durch den Laserstrahl aktiviert, tötet sie die Kariesbakterien ab und versiegelt die Löcher. Im Versuchsstadium!

Laser mit Kühlung

Der Laserstrahl wird mit einem kühlenden Wasser-Luft-Gemisch in den Zahn geschossen. Ungekühlt würde der Laserstrahl den Zahnschmelz verbrennen. Bislang ist der Bohrer nötig, um durch den harten, äußeren Zahnschmelz an tieferliegende Kariesstellen zu gelangen. Das könnte sich nun ändern.

Neue Behandlungsmethode bei Karies

01. Mai 2011 br-online

Angst vor dem Zahnarzt, wer kennt die nicht? Schon beim Geräusch des Bohrers bekommen viele schweißnasse Hände. Doch damit soll Jetzt Schluss sein. Eine neue Behandlungsmethode, die Kariesinfiltration, kann Karies ganz ohne Bohren stoppen. Wie funktioniert das? Ist die Methode für jede Art von Loch im Zahn geeignet? Welche Vor- und Nachteile gibt es?

Von Katrin Frink

In Magdalena Jonas steigt Panik auf, wenn Sie an den nächsten Zahnarzttermin denkt. Sie sieht schon die Spritze vor sich, hört das Geräusch des Bohrers, fühlt die Schmerzen. Damit ist sie nicht allein, jeder dritte Patient hat Angst vor dem Gang zum Zahnarzt. Doch nun kann sie aufatmen. Ihre Zahnarztpraxis ist eine von circa 6.000 in Deutschland, die Karies mit einer recht neuen Methode behandeln, der sogenannten Kariesinfiltration. Ein speziell entwickelter Kunststoff stoppt die Karies, auf den Bohrer kann verzichtet werden. Doch kann die Kariesinfiltration den Bohrer auch ganz ersetzen?

Die Kariesentwicklung

Karies heißt aus dem Lateinischen übersetzt so viel wie Morschheit oder Fäulnis. Kariesbakterien son¬dern im Mund eine Säure ab, die die Schmelzstruktur der Zähne angreift und sie faulen lässt. Die Kariesentstehung wird in fünf Stadien eingeteilt:

Stadium 1: Bei der sogenannten Initialkaries bilden sich erste Entkalkungen. Diese Karies muss nicht unbedingt behandelt werden. Durch bessere Mundhygiene, Ernährung oder Fluoridierungsmaßnahmen kann man diese Karies noch remineralisieren und ihr somit entgegenwirken.

Stadium 2: Bei der sogenannten Schmelzkaries hat die Karies die Schmelzschicht angegriffen, ist aber noch nicht ins Zahnbein vorgedrungen.

Stadium 3: Bei der sogenannten Dentinkaries hat die Karies das Zahnbein (Dentin) erreicht und breitet sich aus.

Stadium 4: Bei der sogenannten Caries profunda wird die Karies immer tiefer und wandert Richtung Zahnmark. Jetzt erst spricht man von einem "Loch im Zahn".

Stadium 5: Bei der Caries penetrans (durchdringende Zahnfäule) hat das Loch das Zahnmark (Pulpa) erreicht, also auch die Nerven.

Die Kariesinfiltration

Magdalena Jonas hat Glück. Ihre Karies hat bisher nur die Schmelzschicht des Zahnes angegriffen. Nur bis zum dritten Sta¬dium, also noch bevor ein richtiges Loch entsteht, kann die Kariesinfiltration angewendet werden. Ihre Zahnärztin Dr. med Gabriele Blatt hat sich die Karies vorher genau angeschaut. Zitat: Dr. med. Gabriele Blatt, Zahnärztin: »Es ist röntgenologisch untersucht worden, dass keine tiefere Kavitation vorliegt, also keine tiefere Karies. Deshalb ist die Kariesinfiltration hier möglich. Als schonendes Verfahren ist es sehr innovativ und für den Patienten sehr angenehm.«

So funktioniert die Technik

Mit einem Gummituch wird der Zahn isoliert, dann wird die oberste Schicht der Kariesstelle mit einem Salzsäure-Gel entfernt. Nun wird der speziell entwickelte Kunststoff mit einem Applikator auf die erkrankte Stelle aufgetragen. Die Karies saugt den Kunststoff auf, vergleichbar mit einem Zuckerwürfel, den man in Kaffee hält. Dann wird der Zahn lichtgehärtet. Danach kön¬nen keine Bakterien mehr in den Zahn eindringen. Die Karies bleibt zwar im Zahn, wird aber gestoppt und ist unschädlich.

Die Behandlungsdauer beträgt rund dreißig Minuten pro Kariesstelle. Doch nicht alle erkrankten Stellen sind für die Methode geeignet. Zitat:

Dr. med. Gabriele Blatt, Zahnärztin: »Das lnfiltrationsverfahren eignet sich für alle Zahnzwischenräume, außerdem für die Außenflächen, die häufig nach Konsum von Zucker oder säurehaltigen Getränken von Entkalkungen betroffen sind. Wir hoffen für die Zukunft, dass es sich auch für die Kauflächen eignet.« Daran wird aber noch geforscht.

Ersetzt die Kariesinfiltration den Bohrer?

Die Schmerzen Magdalena Jonas kennt beide Behandlungsmethoden. Schon oft musste bei ihr gebohrt werden. Sie beurteilt den Unterschied. Zitat:

Magdalena Jonas, Patientin: »Der Unterschied ist schon gravierend. Bei der Kariesinfiltration spürt man gar keine Schmerzen, da ist höchstens mal ein Ziehen oder Drücken dabei, wenn dieser Keil eingeführt wird, das wird einem aber vorhergesagt. Im Vergleich zum Bohren ist das aber nicht der Rede wert. Das Bohren tut weh, es vibriert und ist unangenehm.«

Erhalt der Zahnsubstanz

Beim Bohren der Karies im Anfangs- oder Mittelstadium verliert der Patient jede Menge gesunde Zahnsubstanz. Bei der Kariesinfiltration hingegen bleibt der Zahn so gut wie erhalten. Früher musste sich der Zahnarzt immer fragen, ob er bei beginnender Karies schon in den Zahn bohren und gesunde Zahnsubstanz entfernen soll, jetzt kann er die neue Methode anwenden. Das bisherige Problem des Zahnarztes hat sich somit gelöst.

Die Kosten

Für Zahnfüllungen muss der Kassenpatient meist draufzahlen. Amalgam kostet nichts, Keramik oder Gold hingegen sind teu¬er. Kunststoff ist mit circa 80 Euro Zuzahlung die günstigste Alternative. Die Kariesinfiltration hingegen kostet etwas mehr, je nach Zahnarzt rund 80 bis 120 Euro. Bisher übernimmt nur die BKK Mobile Oil 70 EUR pro Behandlung. Mit anderen Kassen wird noch verhandelt.

Die Haltbarkeit

Kunststofffüllungen halten etwa sechs bis acht Jahre, Amalgam circa zehn, Gold noch länger. Generell gilt, Füllungen müs¬sen erneuert werden, wenn sie brüchig sind oder sich Karies zwischen Zahn und der Füllung gebildet hat. Die Kariesinfiltration gibt es erst seit 2009, daher gibt es bisher keine Langzeiterfahrungen, ob die Karies tatsächlich dauer¬haft gestoppt wird oder nicht. Zitat:

Dr. med. Gabriele Blatt, Zahnärztin: »Ihr versuchen, unsere Patienten innerhalb der professionellen Zahnreinigung regelmäßig zu betreuen, und empfehlen allen Patienten nach acht bis zwölf Monaten Kontrollröntgenaufnahmen. Da können wir schauen, ob die Karies gestoppt worden ist, oder ob wir doch eine Füllung vornehmen müssen.«

Auch wenn es keine Langzeiterfahrungen gibt, bisherige klinische Studien haben gezeigt, dass bei der Infiltrationsmethode die Karies bei 80 Prozent der versorgten Zähne gestoppt werden konnte.

Fazit: Beide Methoden können Pluspunkte sammeln. Doch die Kariesinfiltration ist kein Ersatz für den Bohrer. Es kann keine tiefe Karies damit behandelt werden, auch gibt es bisher nicht die Möglichkeit, Kauflächenkaries damit zu behandeln. Außer¬dem werden häufig jüngere Patienten behandelt, da sie statistisch häufiger Zwischenraumkaries haben. Doch die Methode könnte neben der richtigen Mundhygiene, gesunder Ernährung und regelmäßiger zahnärztlicher Kontrolle eine sinnvolle Er¬gänzung sein, um das Fortschreiten von Karies zu verhindern. Für Magdalena Jonas ist die Behandlung jedenfalls ein Segen. Der Gang zum Zahnarzt fällt ihr mittlerweile viel leichter.

Neue Methode: Bohrer ade

01. Mai 2011 HNA online

Eigentlich ist es paradox: Wenn der Zahnarzt eine beginnende Karies entdeckt, kann er sie auf herkömmliche Art nicht behan¬deln, da sonst zu viel gesunde Zahnsubstanz geopfert werden müsste. Erst wenn sich der Schaden vergrößert hat, kommt die bekannte Füllungstherapie in Kombination mit dem Bohrer zum Einsatz. In der Praxis von Dr. Andreas Mattmüller, Zahnarzt aus Oberweser, wird jedoch eine Therapiemethode angewendet, die nicht nur ohne Bohrer auskommt, sondern zudem noch schmerzfrei ist.

In Zusammenarbeit mit der Berliner Charité und der Universität Kiel wurde das Verfahren Icon entwickelt. Dieses ermöglicht es, eine beginnende Karies ganz ohne schmerzhaftes Bohren zu stoppen.

Bei der sehr sanften Methode der Kariesinfiltration wird die kariöse Stelle zunächst mit einem Gel vorbehandelt, dann mit Alko¬hol ausgetrocknet und schließlich mit einem speziellen Kunststoff verschlossen. Besonders in schwer zugänglichen Zahnzwi¬schenräumen kann der Zahn so behandelt werden, ohne dass der Bohrer zum Einsatz kommen müsste, der immer auch die gesunde Zahnsubstanz mit angreift.

Mit Microlux-Lampe die Zähne durchleuchten

Bereits bei der Erkennung von beginnender Karies setzt der Zahnarzt aus Oberweser auf eine sanfte, aber sehr effektive Me¬thode: „Ich nutze eine Microlux-Lampe, welche es mir erlaubt, die Zähne zu durchleuchten. Auf diese Art und Weise kann ich auch ohne Röntgen schon erkennen, ob sich in den Approximalräumen, also in den Zahnzwischenräumen, Karies gebildet hat." Nur wenn sich bei dieser Art von Durchleuchtung Hinweise auf Karies finden lassen, wird ein Röntgenbild erstellt. So wird der Patient keiner unnötigen Strahlung ausgesetzt.

»Die Behandlung mit ICON ermöglicht es nicht nur, die Karies im frühen Stadium zu stoppen«, erläutert Dr. Mattmüller. »Anders als unter Einsatz des Bohrers wird die Zahnform nicht verändert. Darüber hinaus setze ich die ICON-Behandlung sehr erfolg¬reich zur Entfernung von weißen Flecken auf den Zähnen ein.« Diese weißen Flecken sind vor allem Trägern von festen Zahnklammern gut bekannt. Trotz aller Pflegebemühungen während Tragezeit der Zahnspange, sind die Flecken nach der Entfernung der Brackets oft zu finden. Neben der rein optischen Beein¬trächtigung sind diese weißen Flecken ebenfalls als beginnende Karies zu werten und müssen behandelt werden.

Neue Methode bei beginnender Karies

Die Behandlung mit Icon dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten und kann nur bei einer beginnenden Karies eingesetzt wer¬den, die maximal ins erste Drittel des Dentins vorgedrungen ist. Da die Behandlungsmethode relativ neu ist, zeigen sich einige Krankenkassen bei der Kostenübernahme noch skeptisch, an¬dere jedoch übernehmen bereits einen Anteil. Es lohnt sich also, die Krankenkasse darauf anzusprechen. Weitere Informationen über die Zahnarztpraxis Oberweser unter www.dr-mattmueller.de

Erfinder zum Anfassen

15. April 2011 DZW, Die Zahnarzt Woche

DMG und das Infiltrationssystem Icon auf der IDS 2011

Karies frühzeitig behandeln, ohne zu bohren — dieses Thema war ein Schwerpunkt am Messestand des Hamburger Dentalunternehmens DMG auf der IDS 2011. Möglich werde dieses neue Behandlungskonzept durch Icon, das weltweit einzige Produkt zur Kariesinfiltration. Zwei der maßgeblichen Entwickler der Infiltrationsmethode waren am DMG-Stand persönlich anwesend: OAPD Dr. Hendrik Meyer- Lücke' und Dr. Sebastian Paris hielten nicht nur Vorträge zur neuen Behandlungsmethode, die beiden »Väter« der Kariesinfiltration (neben Prof. Dr. A. M. Kielbassa und OA Dr. J. Müller von der Charité Berlin) standen auch für Fragen zur Verfügung. Die Möglichkeit, die Kariesinfiltration so aus erster Hand näher kennenzulernen, wurde von den interessierten Besuchern auch genutzt. Kein Wunder, ermögliche es die Infiltration mit Icon doch, Karies im Frühstadium substanzschonend zu therapieren — ohne Spritze, ohne Bohrer. Eine Aussicht, die den Zahnarztbesuch für viele Patienten deutlich angenehmer erscheinen lässt. Ergänzend zu Icon präsentierte DMG auf der IDS erstmals auch TenoLux. Das neu entwickelte Röntgenfilmhalter-System ermögliche die exakte standardisierte Fixierung des Bisses für spätere Behandlungskontrollen.

Bohren – nein danke!

10. April 2011 Welt am Sonntag

Die Hamburger Firma DMG hat ein Produkt entwickelt, das beginnende Karies schonend und schmerzarm behandelt

Als Wolfgang Mühlbauer vor einiger Zeit bei seinem Zahnarzt war, hatte der gar nicht gebohrt. Stattdessen versorgte der Mediziner seinen Patienten mit einem neuartigen Dentalharz, das Karies im Anfangsstadium stoppt. In gut 20 Minuten wurde das Zahn schonende Präparat infiltriert – so als würde ein Wassertropfen in einen Zuckerwürfel sickern. Nun dürfte dieser Zahn viele Jahre lang vor weiterem Kariesbefall geschützt sein. Bohren? Nein danke! Wolfgang Mühlbauer ist nicht nur einer der ersten Patienten, der das preisgekrönte Substrat trägt.

Der promovierte Chemiker hat vielmehr das Produkt namens „Icon“ mit seinem Unternehmen Dental Material Gesellschaft (DMG) in der Hamburger Elbgaustraße selbst auf den Markt gebracht. Inzwischen wird die so genannte Kariesinfiltration in jeder zehnten deutschen Zahnarztpraxis eingesetzt. Mehr als 30 internationale Studien wurden zur Methode der Kariesinfiltration durchgeführt. Die klinischen Studien attestieren dem Dentalharz Icon, das im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Innovationspreis ausgezeichnet wurde, einen hervorragenden Behandlungserfolg (präventive Fraktion 66-90%). Mit der schmerzarmen Methode kann insbesondere Karies im Zahnzwischenraum rechtzeitig behandelt werden, ohne dass der Zahnarzt zum Bohrer greifen muss. Karies ist eine Krankheit, die sich mit der Zivilisation immer mehr ausgebreitet hat. Schon in der Antike war Karies bekannt. Im Mittelalter sollen 25 Prozent der Zähne davon befallen gewesen sein, haben Medizinhistoriker herausgefunden. Die veränderte Ernährung in den industriell entwickelten Ländern führte im 19. Jahrhundert zu einem explosionsartigen Anstieg der Kariesrate – auf nahezu 100 Prozent der Bevölkerung. Ein großes Marktpotenzial also für eine Firma, die 1963 von Ernst Mühlbauer gegründet wurde und nunmehr von seinem Sohn weitergeführt wird. Es mag ein Zufall sein, dass die Firmengründung just an jenem Tag erfolgte, als Wolfgang Mühlbauer geboren wurde. Der Junior nimmt dies als symbolisches Zeichen für erfolgreiche Kontinuität. Mühlbauer geht über die Flure seiner Firma, vorbei an Skulpturen, Gemälden und Zeichnungen, die überall an den Wänden hängen. Er ist ein Ästhet, ein Kunstsammler. Vor allem aber ist er beseelt vom wissenschaftlich-technischen Fortschritt in der Zahnmedizin.

„Icon ist und bleibt ein revolutionäres Produkt“, meint DMG-Geschäftsführer Mühlbauer, während er in seinem Büro Platz nimmt. „Mit unserem Produkt wollen wir die Zahngesundheit entscheidend verbessern.“ Um die Ausbreitung und Behandlung von Karies möglichst plastisch darzustellen, ballt Mühlbauer die rechte Hand zur Faust – die Finger symbolisieren die einzelnen Zähne nebst Zwischenräumen. Er erzählt, welchen schädigenden Einfluss das Bakterium Streptococcus mutans ausübt und wie die Zahnfäule im schlimmsten Fall fortschreiten kann. Um Karies halbwegs zu kurieren, setzt der Zahnarzt üblicherweise den Bohrer ein und füllt das Loch mit Amalgam, Keramik oder Kunststoffen. „Doch beim Bohren wird relativ viel gesunde Zahnhartsubstanz geopfert, um die eigentliche Karies entfernen zu können“, sagt der Chemiker. Ein unbefriedigender Zustand. Mit dieser Forschungslücke beschäftigten sich vor einigen Jahren auch die beiden Mediziner Hendrik Meyer-Lückel und Sebastian Paris während ihrer Tätigkeit in der Abteilung für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie (Leiter: Prof. Dr. A. M. Kielbassa) an der Charité in Berlin. Sie experimentierten in ihrem Labor mit verschiedenen Dentalharzen, setzten befreundete Studenten als Probanden ein – allein, es fehlte ihnen an praktikablen technischen Apparaturen und damit an einer Methode, wie der lichtempfindliche Kunststoff auf den Zahn aufgetragen werden kann. Und so kam es, dass die Mediziner Kontakt mit der Firma für Dentalprodukte in Hamburg aufnahmen, die bereits in den 1970er-Jahren mit verschweißten Amalgam-Kapseln für Aufsehen sorgte. DMG-Geschäftsführer Mühlbauer erkannte prompt das innovative Potenzial und erwarb die Lizenz. Zwei Jahre lang suchte die hauseigene Forschungsabteilung nach praxistauglichen Lösungen. „Wir haben das Feintuning gemacht und die Frage erfolgreich geklärt, wie das Dentalharz an den Ort des Geschehens gebracht werden kann“, sagt Mühlbauer. Die Substanz wird nun mit Hilfe von hauchdünnen Folien aufgetragen, die auch in die Zahnzwischenräume passen. Das dürfte vor allem für jüngere Patienten von Bedeutung sein, denn immerhin 80 Prozent von ihnen leiden an Zahnzwischenraumkaries. Der spezielle Kunststoff verschließt nun den krankhaften Zahnschmelz, ohne dass die gesunde Zahnsubstanz beim Bohren abgetragen werden muss. In frühen Stadien kann Karies noch durch prophylaktische Maßnahmen wie beispielsweise Fluoridierung verzögert werden. Doch wenn der Kariesprozess voranschreitet, muss der Zahnarzt zum Bohrer greifen und den Zahn mit einer Füllung versorgen. „Die neue Therapie schlägt also eine Brücke zwischen Prophylaxe und Füllungstherapie“, sagt Privatdozent und Miterfinder Dr. Hendrik Meyer-Lückel, der inzwischen am Uniklinikum Kiel arbeitet. Damit das neue Verfahren von möglichst vielen Zahnärzten angewandt werden kann, bietet das Hamburger Unternehmen DMG Schulungen für Zahnärzte und Helferinnen an. Die Patienten müssen freilich die Kosten der Behandlungen momentan noch selbst tragen, weil die neue Behandlungsmethode der Kariesinfiltration noch nicht im Leistungskatalog der Krankenkassen enthalten ist.

Die Höhe der Kosten variiert je nach zeitlichem Arbeitsaufwand in der Praxis; sie dürfte im Mittelwert bei 100 bis 130 Euro pro Zahn liegen. Allerdings ist mit nur einer Sitzung die Behandlung abgeschlossen. Auf dem Online-Portal von bohren-nein-danke.de hat das Unternehmen jetzt einen Zahnarztfinder mit Suchfunktionen für jene Zahnmediziner in Deutschland eingerichtet, die Icon bereits in ihrer Praxis einsetzen.

Versiegeln statt Bohren

04. April 2011 Fernsehwoche

Sanfter, sicherer und vor allem schmerzloser: So hilft die neue Infiltrations-Therapie gegen Karies

Eigentlich müsste man wieder mal zum Zahnarzt — wenn da bloß nicht dieses leichte Unbehagen wäre: Was, wenn er Karies findet und bohren muss? Die Angst vor Schmerzen sitzt tief. Bei jedem siebten Deutschen ist sie sogar so groß, dass er überhaupt nicht zum Zahnarzt geht.

Endlich ohne Schmerzen

Dabei gibt es durchaus eine sanftere Waffe gegen Karies als den Bohrer: »Bei der Kariesinfiltration wird der Zahnschmelz an der betroffenen Stelle mit einem speziellen Kunststoff-Gel aufgefüllt«, erklärt Zahnärztin Dr. Mariana Mintcheva von der Kaiserberg Klinik in Duisburg. »Das Gel dringt sanft in den Zahn ein und stoppt die Karies.« Ein großer Fortschritt, denn die neue Therapie, die bundesweit bereits ca. 6000 Zahnärzte anwenden, ist nicht nur völlig schmerzfrei. Sie hilft auch, möglichst viel von der gesunden Zahnsubtanz zu erhalten. Anwendbar ist sie für bleibende wie auch für Milchzähne.

Für wen eignet sich das Verfahren?

Am besten eignet sich die Infiltration zur Karies – Entfernung im Anfangsstadium. Im ersten Schritt wird die kariöse Stelle mit einer speziellen Flüssigkeit behandelt. Im zweiten Schritt werden die Poren mit einer Alkohol-Lösung getrocknet. Danach trägt der Zahnarzt das farblose Infiltrationsgel auf und härtet es mit UV-Licht aus. Das Gel dringt in die kariöse Stelle ein und stoppt den Befall. Die Kosten für eine Kariesinfiltration liegen bei rund 80 € pro Zahn. Allerdings: Die gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten noch nicht. Und wer keine Zahnpflege betreibt, dem kann die Therapie auch nur vorübergehend helfen.

Er hat gar nicht gebohrt!

26. Oktober 2010 Für Sie

Bricht Ihnen der Schweiß aus, wenn Sie an den Zahnarzt denken? An seine blinkenden Instrumente, die so schlimme Geräusche machen? Sie können aufatmen. Karies im Anfangsstudium kann jetzt ohne Bohren behandelt werden: Kleine Defekte werden mit flüssigem Kunststoff versiegelt. Auf www.bohren-nein-danke.de finden Sie Ärzte, die die sogenannte Kariesinfiltration bereits anwenden.

Echt? Ohne zu Bohren? Revolutionäre Kariesbehandlung auf dem Vormarsch

22. September 2010 EXTRA TIP MITTWOCH

Zwei Drittel der Deutschen haben ein mulmiges Gefühl, wenn sie auf dem Zahnarztstuhl Platz nehmen – vor allem aus Angst vor dem Bohrer.

Bei der neu entwickelten sogenannten Kariesinfiltration (Icon) wird Karies im Anfangsstadium ohne Bohrer behandelt. Dabei wird mit flüssigem Kunststoff gearbeitet. Damit dieser an der richtigen Stelle landet, isoliert der Zahnarzt den betreffenden Zahn mit einem Spanngummi und entfernt mit einem Gel die oberste Schicht über der defekten Fläche. Anschließend wird der Kunststoff auf die Oberfläche aufgetragen. Dieser dringt dann über Kapillarkräfte in die Schmelzmatrix ein. Anschließend wird der Kunststoff lichtgehärtet.

„Es ist innovativ, weil ich die Chance habe, kleinste Defekte ohne Bohren zu versiegeln. So kann ich möglicherweise eine Ausbreitung der Karies in die Tiefe verhindern“, sagt der Hamburger Zahnarzt Ron Tehsmer. Er ist einer von 6.000 Zahnärzten bundesweit, die die neue Methode nutzen. „Die Patienten sind zufrieden und wir machen auf jeden Fall nichts kaputt.“ Ob die Karies dadurch dauerhaft gestoppt werden kann, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Langzeiterfahrungen gibt es noch nicht. Die ersten klinischen Studien beziehen sich nur auf einen Zeitraum von 18 Monaten, erläutert Professor Ulrich Schiffner vom Universitätsklinikum Eppendorf. „Diese Studien zeigen aber, dass es bei 75 Prozent der versorgten Zahnflächen zu einem Stillstand der Läsion kommt und damit das gewünschte Ziel erreicht ist. Ich denke, dass die Methode durchaus Potenzial hat, obwohl sie sich demnächst im Alltag beweisen muss. Wenn das der Fall ist, denke ich aber, dass es weitere Anwendungsmöglichkeiten gibt.“ Das Verfahren, das an der Berliner Charité zusammen mit der Universität Kiel entwickelt wurde, kann den Bohrer allerdings nicht komplett ersetzen. „Es eignet sich nur für die Behandlung von Karies im Anfangsstadium“, erklärt Professor Schiffner. Die Behandlung dauert etwa 15 Minuten und kostet 80 bis 100 Euro pro Zahnfläche. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Mit nur drei Behandlungsschritten kann die Karies gestoppt werden:

  1. Entfernen der dünnen Oberflächenschicht mit einem speziellen Gel.
  2. Trocknen des kariösen Defektes
  3. Infiltrieren des kariösen Defekts mit einem speziellen Kunststoff

Mit dieser Methode sind nicht nur die kleinen Kariesstellen an den Seitenzähnen zu behandeln, sondern auch die unschönen weißen Flecken auf den Frontzähnen, wie sie häufig nach kieferorthopädischen Behandlungen auftreten.

Neues Wundergel heilt Karies

11. August 2010 Woche der Frau

Nie mehr Angst vorm Zahnarzt – weil er nicht mehr bohren muss

Ein Traum wird (fast) wahr: nie mehr bohren, geräuschlos und ohne Schmerzen den Zahn vom Dentisten reparieren lassen wenn Karies wie Lochfraß in ihn hineingewuchert ist. Mit einer neuen Substanz aus einem Hamburger Labor ist das möglich. „Icon“ wird der Stoff genannt, mit dem der Zahnarzt in naher Zukunft zumindest kleine Löcher behandeln kann. Die Substanz ist flüssig, dringt in den Karies ein und verändert die Faulstellen chemisch. Anschließend härtet der Arzt mit einer speziellen Lampe die neu geschaffene Substanz aus. Sie ist jetzt frei von Karies-Bakterien, fest und robust. Wie ein Stückchen neuer, gesunder Zahn. Rund 20 Minuten dauert die Behandlung. Bislang übernehmen die Krankenkassen allerdings nicht die Kosten von etwa 130 Euro pro Zahn. Ein weiterer Wermutstropfen: Nur bei kleinen Faulstellen reicht es, mit dem Karies-Aushärter zu arbeiten. Geht die Fäule tiefer und bedroht die Zahnwurzel, genügt dies nicht. Dann muss der Zahnarzt trotzdem bohren. Bislang bieten auch nur einige wenige Mediziner die „Icon“-Therapie an.

Neue Waffe gegen Karies

23. Juli 2010 Funk Uhr

Wird der Zahnarzt-Bohrer überflüssig?

Ein Hamburger Dentallabor hat eine harzige Flüssigkeit namens „Icon“ entwickelt, mit der man Karies künftig früher stoppen und behandeln kann, ohne dass die gesunde Zahnsubstanz angegriffen werden muss. Die Flüssigkeit wird mit dünnen Folien, die sogar in schwer zugängliche Zahnzwischenräume passen, auf die befallenen Stellen aufgetragen. Kleiner Wermutstropfen: „Icon“ hilft nur im Anfangsstadium – wer zu spät zum Arzt geht, muss weiterhin den Bohrer fürchten.

Kunstharz macht Kariesbehandlung ohne Bohrer möglich

10. Juli 2010 Berliner Morgenpost

Angst ist ein menschliches Grundgefühl, das sich „als unlustbetonte Erregung“ äußert. So steht es im Lexikon, aber ausgelöst werden kann Angst in unzähligen, sich manchmal sogar widersprechenden Situationen. Wenn es jedoch eine Angst gibt, die die Menschen aller Kulturkreise und Altersgruppen eint, dann ist es die vor einem Mann, der häufig einen weißen Kittel trägt und einen kleinen Bohrer in der Hand hält: der Zahnarzt. Wer von sich behauptet, dass er gern auf dessen Stuhl Platz nimmt, ist, wenn er nicht lügt, wohl zumindest nicht ganz bei Sinnen.

Deshalb ist die Erfindung, die jetzt mit dem Deutschen Innovationspreis 2010 in der Kategorie Mittelständische Unternehmen ausgezeichnet wurde, eine wahre Erleichterung des Alltags und ein Hoffnungsschimmer für alle angstbesetzten Patienten: Mit Icon, einer in den Labors eines Hamburger Dentalunternehmens entwickelten harzigen Flüssigkeit, kann Karies nämlich künftig frühzeitig gestoppt und behandelt werden, ohne dass gesunde Zahnsubstanz unnötig geopfert wird oder der Zahnarzt zum Bohrer greifen muss. Das funktioniert so: Die Icon-Substanz wird vom Zahnarzt mithilfe von Folien auf die Karies befallenen Stellen aufgetragen. Die Folien sind dabei so dünn, dass sie auch in die schwer zugänglichen Zahnzwischenräume passen. Gerade diese sind von Karies bedroht. Studien ergaben, dass die Zwischenräume der Zähne von fast 80 Prozent der Menschen unter 28 Jahren von Karies befallen sind.

Insgesamt dauert die Behandlung mit Icon, eine sogenannte Kariesinfiltration, etwa 20 Minuten. Mit einer Salzsäure wird zuerst die oberste Mineralschicht des Zahnes entfernt. Icon dringt dann – genau so, wie Wassertropfen in einen Zuckerwürfel sickern - in die kariöse Stelle ein. Zuletzt härtet der Zahnarzt die Flüssigkeit mit einer Tageslichtlampe. Dabei setzt sich das Harz zwischen die kristallförmigen Partikel des Schmelzes und festigt deren Struktur. Das klingt fast zu schön um wahr zu sein. Es stimmt aber. Mit Einschränkungen. Zum einen kostet eine Behandlung rund 130 Euro. Und Icon hilft auch nur im Anfangsstudium einer Karies. Auf Patienten, die eine Behandlung zu lange aufschieben, wartet wie bisher der Bohrer.

Kariesbehandlung ohne Bohren

08. Juli 2010 Die Welt

Angst ist ein menschliches Grundgefühl, das sich „als unlustbetonte Erregung“ äußert. So steht es im Lexikon, aber ausgelöst werden kann Angst in unzähligen, sich manchmal sogar widersprechenden Situationen. Peter Handke beschrieb einst „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“. Andererseits kennen wir auch die Angst der Engländer beim Elfmeterschießen zur Genüge. Sie half uns schließlich dabei, 1990 in das WM- und 1996 ins EM-Endspiel einzuziehen. Wenn es jedoch eine Angst gibt, die die Menschen aller Kulturkreise und Altersgruppen eint, dann ist es die vor einem Mann, der häufig einen weißen Kittel trägt und einen kleinen Bohrer in der Hand hält: der Zahnarzt. Wer von sich behauptet, dass er gern auf dessen Stuhl Platz nimmt, ist, wenn er nicht lügt, wohl zumindest nicht ganz bei Sinnen. Deshalb ist die Erfindung, die jetzt mit dem Deutschen Innovationspreis 2010 in der Kategorie Mittelständische Unternehmen ausgezeichnet wurde, eine wahre Erleichterung des Alltags und ein Hoffnungsschimmer für alle angstbesetzten Patienten: Mit Icon, einer in den Labors eines Hamburger Dentalunternehmens entwickelten harzigen Flüssigkeit, kann Karies nämlich künftig frühzeitig gestoppt und behandelt werden, ohne dass gesunde Zahnsubstanz unnötig geopfert wird oder der Zahnarzt zum Bohrer greifen muss.

Das funktioniert so: Die Icon-Substanz wird vom Zahnarzt mithilfe von Folien auf die mit Karies befallenen Stellen aufgetragen. Die Folien sind dabei so dünn, dass sie auch in die schwer zugänglichen Zahnzwischenräume passen. Gerade diese sind von Karies bedroht. Studien ergaben, dass die Zwischenräume der Zähne von fast 80 Prozent der Menschen unter 28 Jahren von Karies befallen sind.

Insgesamt dauert die Behandlung mit Icon, eine sogenannte Kariesinfiltration, etwa 20 Minuten. Mit einer Salzsäure wird zuerst die oberste Mineralschicht des Zahnes entfernt. Icon dringt dann – genau so, wie Wassertropfen in einen Zuckerwürfel sickern – in die kariöse Stelle ein. Zuletzt härtet der Zahnarzt die Flüssigkeit mit einer Tageslichtlampe. Dabei setzt sich das Harz zwischen die kristallförmigen Partikel des Schmelzes und festigt deren Struktur. Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Es stimmt aber. Mit Einschränkungen. Zum einen kostet eine Behandlung rund 130 Euro. Und Icon hilft auch nur im Anfangsstadium einer Karies. Auf Patienten, die eine Behandlung zu lange aufschieben, wartet wie bisher der Bohrer.

Der Hamburger Hersteller DMG erhält für sein Produkt „Icon“ den „Deutschen Innovationspreis 2010“ in der Kategorie „Mittelständische Unternehmen“

05. Mai 2010 Hamburger Morgenpost

Kariesbehandlung ohne Bohren

Mit dem Produkt soll Karies frühzeitig gestoppt werden können, ohne dass der Arzt zum Bohrer greifen muss. Der Preis wird von der Beratungsfirma Accenture, Energiekonzern EnBW, dem Industrieunternehmen Evonik und dem Magazin „Wirtschaftswoche“ vergeben, Schirmherr ist Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass die Erfindung für die gesamte Branche der Zahntechnik von Bedeutung sei.

Icon ermögliche eine Zahnschonende Behandlung der Zahnzwischenräumen und helfe, gesunde Zähne zu erhalten.

Deutscher Innovationspreis: Feuerwerk an Ideen

03. Mai 2010 Handelsblatt

Kariesbehandlung ohne Bohren, Funktionshemden aus Naturfaser und umweltfreundlich hergestellte Ceran-Kochfelder

Die Sieger des Deutschen Innovationspreises 2010 könnten unterschiedlicher kaum sein: Am Ende überzeugten die Jury der Mainzer Glasspezialist Schott, die Hamburger Zahntechnikhersteller DMG und das Thüringer Startup Smartfiber mit Innovationen, die das Potenzial haben, Märkte zu verändern. Verliehen wurde der Preis, den die „Wirtschaftswoche“ mit der Unternehmensberatung Accenture, dem Energiekonzern EnBW und dem Chemieriesen Evonik ausrichtet, in den Kategorien Großunternehmen, Mittelstand und Startup.

Im Rahmen einer Gala im Bayerischen Hof wurden die Sieger sowie die für die Endrunde nominierten Unternehmen am Freitag in München geehrt. Zu den vielen prominenten Gästen des Abends gehörten Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler von der Schaeffler-Gruppe, Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser, Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts, und Tina Müller, Corporate Senior Vice President von Henkel. Vorsitzender der Preisjury war „Wirtschaftswoche“-Chefredakteur Roland Tichy.

Sieger in der Kategorie Großunternehmen wurde mit der Mainzer Schott AG ein führender Technologiekonzern mit weltweitem Renommee. Die Glas-Spezialisten überzeugten mit einer Technik, die es erstmals ermöglicht, Glaskeramikkochfelder ohne hochgiftige Schwermetalle wie Arsen oder Antimon zu produzieren. Nach mehr als zehnjähriger Entwicklung und Optimierung der Produktion werden seit 2009 alle schwarzen Ceran-Kochfelder ohne die giftigen Substanzen produziert. Sie galten in der weltweiten Glaskeramikfertigung bislang als unersetzlich. Damit wird Schott Vorreiter einer ganzen Branche: „Schott beweist, dass Nachhaltigkeit ins Kerngeschäft integriert gehört und nicht den Gutmenschen überlassen werden darf“, lobte Stephan Scholtissek, Global Managing Director beim Beratungsunternehmen Accenture und Jurymitglied des Deutschen Innovationspreises. Auf das Siegertreppchen in der Kategorie Mittelstand schaffte es der Hamburger Dental-Spezialist DMG. Das Unternehmen überzeugte die Jury mit einer neuartigen Substanz namens Icon. Damit könne Zahnärzte Karies behandeln, ohne zu bohren. Kommt die Flüssigkeit in Berührung mit kariesbefallenen Zähnen, bekämpft sie die Bakterien sofort. Anschließend füllt die Substanz den Schmelz auf und dichtet den Zahn ab. „Die Technik birgt ein Innovationspotenzial, das für eine ganze Branche bedeutsam werden kann“, sagte Jurymitglied Hans-Peter Villis, der Chef des Energieversorgers EnBW. DMG kann bereits beachtliche Erfolge vermelden: Ein Jahr nach dem Verkaufsstart behandeln bereits 5000 Zahnärzte Patienten mit Icon. Als Sieger in der Kategorie Startup wurde Smartfiber prämiert. Das Unternehmen aus Rudolfstadt bei Erfurt fertigt High-Tech-Fumktionsfasern aus Naturrohstoffen. Daraus entstehen beispielsweise temperaturregulierende Hemden, die Wanderer im Sommer kühlen und im Winter wärmen. Jahrelang bestanden Outdoor-Outfits überwiegend aus Kunstfasern. Mitunter waren sie sogar mit schädlichen Chemikalien beschichtet, um Wind und Wetter zu widerstehen. Dabei haben die Hersteller von Outdoor-Produkten eine Zielgruppe, die „nachhaltig und vor allem gesund leben will“, sagte Klaus Engel, Vorstandschef des Chemieriesen Evonik und ebenfalls Jurymitglied des Deutschen Innovationspreises. „Kunstfasern sind ein Widerspruch dazu.“ Diesen Widerspruch löst Smartfiber auf.

Die Preisverleihung in München war zugleich der Auftakt für die Ausschreibung zum Deutschen Innovationspreis 2011. „Ich hoffe, dass der Wettbewerb neue Impulse setzt, damit Innovationspotenziale in Zukunft voll ausgeschöpft werden und unser Land der ideen noch bekannter wird“, so der Schirmherr des Innovationspreises, Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Zur Bewerbung zugelassen sind Konzerne, Mittelständler und Startups aller Branchen. Neben Produkten werden auch Geschäftsmodelle, Prozesse, Dienstleistungen und Marketinginstrumente prämiert. Die Bewerbung ist ausschließlich über das Internet möglich unter www.der-deutsche-innovationspreis.de

Ideen schmieden

03. Mai 2010 Wirtschaftswoche

Karies behandeln, ohne zu bohren, Messgeräte gegen Lebensmittelgifte und kühlende Hemden: mit welchen Ideen die Sieger und Finalisten die letzte Hürde des Deutschen Innovationspreises 2010 schafften:

Krisenzeiten sind Innovationszeiten. Während Aufträge ausblieben, sicher geglaubte Märkte verschwanden und erwartet Wettbewerber auftauchten, besannen sich viele Unternehmen auf das, was sie groß gemacht hat: Innovationen. Viele haben in den vergangen Monaten ihre Forschungsbudgets aufgestockt. „Doch sobald die Krise vorüber ist, verlieren die Innovationen auf dem Wahrnehmungsradar von Managern und an Bedeutung“, sagt Bernd Kriegesmann vom Institut für Angewandte Innovationsforschung an der Ruhr-Universität in Bochum. Dabei eint erfolgreiche Unternehmen, dass Innovationen für sie zum Selbstverständnis gehören: Neue Ideen, Geschäftsmodelle und Produkte verstehen sie als minutiös geplante Entwicklung und harte Arbeit. Das belegen die Geschichten der Sieger und Finalisten des Deutschen Innovationspreises, den die WirtschaftsWoche zusammen Accenture, dem Energieversorger EnBW und dem Mischkonzern Evonik ausrichtet. Es dauerte fast ein Jahrzehnt, bis es Schott gelang, alle Glasschmelzen für Ceran-Kochfelder auf die Produktion ohne giftige Schwermetalle umzustellen. Der Lohn: Heute ist die Glaskeramik aus Mainz Maßstab für eine ganze Branche. Jahrelang grübelten auch die Mitarbeiter des Hamburger Zahntechnikherstellers DMG, wie sie Karies mit einer Flüssigkeit behandeln können – ohne zu bohren. Die Lösung, die sie fanden, nimmt schon jetzt Tausenden Patienten die Angst vor dem Zahnarztbesuch. Nur ein Jahr nach der Markteinführung der neuen Technik. Die Beispiele zeigen auch, wie wichtig es ist, „neue Entwicklungen und Technologien so zu nutzen, dass daraus marktreife Lösungen entstehen“, sagt Frank Riemensperger, Deutschland-Chef von Accenture. Wie eindrucksvoll das den Gewinnern und Finalisten gelingt und wie bedingungslos in den Siegerunternehmen des Deutschen Innovationspreises Innovationen vorangetrieben werden, lesen Sie auf den nächsten Seiten.

Nie wieder bohren Das Unternehmen DMG will mit einer neuen Behandlungstechnik Karies stoppen und Zahnarztbesuchen den Schrecken nehmen.

Wolfgang Mühlbauer hat etwas, was sich so ziemlich jeder in seinem Leben einmal wünschen wird – spätestens auf dem Zahnarztstuhl, wenn sich das Geräusch des Bohrers in die Tiefen des Bewusstseins schraubt. Der 47-jährige Chemiker und Chef des Hamburger Unternehmens DMG, ein Hersteller von Dentalprodukten, hat eine Flüssigkeit namens Icon entwickelt. Damit können Zahnärzte Karies schmerzfrei behandeln. Ganz ohne zu bohren. Kommt die Substanz in Berührung mit kariesbefallenen Zähnen, bekämpft sie die Bakterien sofort. Anschließend füllt die Flüssigkeit den Schmelz auf und dichtet den Zahn ab. Die Behandlungsmethode kommt nicht nur bei den Patienten gut an: Rund 5000 der etwa 80.000 deutschen Zahnärzte behandeln bereits mit Icon. Und es könnten mehr werden: Experten glauben, das Material könne das Milliardengeschäft mit den Spritzen und Zahnfüllungen verändern. Grund genug für die Jury des Deutschen Innovationspreises, DMG mit dem ersten Preis in der Kategorie Mittelstand auszuzeichnen: „Die Technik birgt ein Innovationspotenzial, das für eine ganze Branche bedeutsam werden kann“, sagt Hans-Peter Villis, Chef des Energieversorgers EnBW und Mitglied der Jury. Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) belegen jetzt schon den Erfolg der Innovation. Demnach war Icon mit einem Umsatz von rund zwei Millionen Euro im vergangenen Jahr die erfolgreichste Produkteinführung der Branche. Das war, so hofft das Unternehmen, erst der Anfang. Studien belegen, dass die Zahnzwischenräume von fast 80 Prozent der Menschen unter 28 Jahren von Karies befallen sind. Und gerade die Behandlung von Karies in den Zwischenräumen vereinfacht Icon: Denn die Substanz wird mithilfe dünner Folien aufgetragen, die auch in schwer zugängliche Stellen passen. Die Behandlung mit Icon, eine sogenannte Kariesinfiltration, dauert etwa 20 Minuten. Mit einer Salzsäure wird zuerst die oberste Mineralschicht des Zahnes entfernt. Das Dentalherz, das anschließend aufgetragen wird, dringt dann – genau wie Wassertropfen in einen Zuckerwürfel sickern – in die kariöse Stelle ein. Zuletzt härtet der Zahnarzt die Flüssigkeit mit einer Tageslichtlampe. Dabei setzt sich das Harz zwischen die kristallförmigen Partikel des Schmelzes und festigt deren Struktur. Wenn Firmenchef Mühlbauer die Gelegenheit bekommt, erklärt er Icon am liebsten selbst. Dann steht er vor einem Flipchart und malt mit rotem Filzstift Zahnzwischenräume und Kariesbefall. Ob die neuartige Füllung 10 oder 20 Jahre hält, ist noch nicht belegt. Mühlbauer macht klar: Ein Wundermittel ist es nicht. Icon kann nur im Anfangsstadium von Karies helfen. Ist die Struktur des Zahns zerstört, muss der Zahnarzt doch bohren. Im Sommer bekommt DMG die Werte einer Drei-Jahres-Studie: An der Charité in Berlin untersuchen Forscher gerade, ob die Karies an der behandelten Stelle zurückkehrt. Die Ergebnisse einer Studie aus dem Sommer 2009 stimmen Experten optimistisch. „Die Studien nach 18 Monaten haben gezeigt, dass die Anwendung bei einer frühen Karies deren Voranschreiten stoppen kann“, sagt Thomas Attin, der Direktor der Klinik für Parodontologie und Kariologie an der Universität Zürich.

Verhandlung mit Kassen Eine Behandlung mit Icon müssen Patienten dennoch selbst bezahlen, im Schnitt kostet sie 130 Euro pro Zahn. Doch Mühlbauer verhandelt bereits mit den Krankenkassen, damit Icon in den Leistungskatalog aufgenommen wird. Die Idee für Icon allerdings kommt nicht direkt von DMG. Das Konzept stammt von den Forschern Hendrik Meyer-Lückel und Sebastian Paris von der Universitätsklinik Kiel und Charité Berlin. 2006 präsentieren sie die Idee bei DMG. Doch damals war Icon unvollständig: Die Forscher hatten keine Lösung, wie das lichtempfindliche Harz auf den Zahn aufgetragen werden kann. DMG-Chef Mühlbauer erkannte dennoch das Potenzial und kaufte den Forschern die Lizenz an ihrer Idee ab. Zwei Jahre suchten seine Kollegen nach Wegen, das Problem zu lösen. Sie entwickelten die Folien für das Auftragen des Harzes. Es glückte: „Icon war das größte Projekt in der Firmengeschichte. Noch nie haben wir ein Produkt so zielstrebig entwickelt und eingeführt“, sagt Mühlbauer. DMG stemmte das Projekt mithilfe einer großen Forschungsabteilung. 60 der rund 300 Mitarbeiter befassen sich mit der Entwicklung von Innovationen. Mehr als zehn Prozent seines Umsatzes steckt DMG in die Forschung. Bei einem Umsatz von 41 Millionen Euro waren das 2009 mehr als vier Millionen Euro. „Es erfordert einen langen Atem, denn nur jede zweite Idee wird ein Erfolg“, sagt er. Wenn Mühlbauer aber von einer Geschäftsidee überzeugt ist, probiert er sie auch durchaus mal an sich selbst aus. Auch Icon hat er schon im Mund. Und neuerdings untersucht er regelmäßig die Zähne seiner vier Kinder nach Karies. Doch bislang waren immer nur seine eigenen Zähne befallen.

Neue Hilfe bei Karies

22. März 2010 Das Goldene Blatt

Versiegeln statt bohren

Niemand geht wirklich gerne zum Zahnarzt – schon gar nicht, wenn womöglich gebohrt wird. Das muss jetzt auch nicht mehr unbedingt sein. Dank einer neuen Methode, der sogenannten Kariesinfiltration, kann auf den Bohrer verzichtet werden. Kinder und Patienten mit Angst vor dem Zahnarzt profitieren besonders von dieser stress- und schmerzfreien Behandlung. So funktioniert das Verfahren: Erst wird die kariöse Stelle mit einem Gel vorbehandelt. Dann trocknet der Zahnarzt die Partie und verschließt den Problembereich mit einem speziellen Kunststoff. Die Kombination aus Gel und Kunststoff-Versiegelung sorgt dafür, dass die Kariesbakterien nicht weiter in den Zahn vordringen und von außen keine neuen hinzukommen können. So wird die Erkrankung wirkungsvoll gestoppt. Die Versiegelung ist für Stellen in den Zahnzwischenräumen und auf den glatten Kauflächen möglich. Der Patient spürt von der Behandlung kaum etwas, und eine Betäubung ist überflüssig. Lediglich wenn der Arzt die Zahnzwischenräume erreichen will, müssen diese mit einem winzigen Zahnkeil geweitet werden. Das tut nicht weh, kann durch das Druckgefühl aber ein wenig unangenehm sein. Ein großer Vorteil der Kariesinfiltration: Wird nicht gebohrt, bleibt die Zahnsubstanz erhalten. Denn sobald der Bohrer zum Einsatz kommt, geht immer auch zusätzlich zum kariösen ein Stück gesunder Zahn verloren. Zwei Einschränkungen: Die Methode eignet sich nur bei beginnender und mittlerer Karies (also regelmäßig zur Vorsorge gehen). Haben sich die Bakterien tief in den Zahn hineingefressen oder gibt es gar ein Loch, muss gebohrt werden. Die Kassen übernehmen die Kosten von ca. 100 Euro pro Behandlung nicht. Mehr Informationen unter www.bohren-nein-danke.de

Kleiner Pikser – Für immer tolle Zähne

11. Februar 2010 Grazia

Neue Impfungen sollen gegen Karies und Parodontose immun machen. Dafür gehen wir doch gerne zum Zahnarzt

Keine Löcher, kein Bohren mehr – die Zukunft unserer Zähne könnte tatsächlich blendend weiß werden. Wenn endlich die Impfung gegen Karies auf den Markt kommt. „Wir rechnen damit, dass es in drei, vier Jahren so weit ist“, sagt Dr. Wolfgang Koch, Vorsitzender der Deutschen Parodontose Hilfe. Was jedoch seit ein paar Monaten schon von deutschen Zahnkliniken angeboten wird, ist eine neuartige Impfung gegen Parodontose. Nach Ansicht der Ärzte ist entzündetes Zahnfleisch für die meisten um die 30-Jährigen sowieso das weitaus größere Problem als ein paar Löcher. Bei Parodontose zieht sich das Gewebe immer weiter zurück, im schlimmsten Fall bis die Zähne ausfallen. Und: Abbauprodukte der der Parodontose-Bakterien können das Risiko eines Herzinfarkts oder Hirnschlags erheblich steigern. Anders als bei der Anti-Karies-Impfung, die vorbeugen soll, hilft die Spritze gegen Parodontose genau denjenigen, die die Krankheit bereits haben. Das Prinzip: Befallenes Gewebe wird entnommen, der Erreger im Labor ermittelt, vermehrt und abgetötet. Das Serum wird dann in den Arm gespritzt und regt das Abwehrsystem an. „Da die Parodontose die Folge einer Immunschwäche ist, ist das wirklich sinnvoll“, sagt Koch. Natürlich gibt es auch Kritiker, die die Wirkung bezweifeln. Und: die Behandlung wird noch nicht von den Krankenkassen übernommen. Etwa 1000 Euro muss man dafür hinlegen. Wer sparen möchte, sollte also unbedingt weiter brav Zähne putzen.

Noch `ne Neuheit: Was Sanfteres als Bohren

Überall wird seit Kurzem mit Slogans wie „Bohren – nein danke!“ für eine neue Technik namens „Icon“ geworben. Dahinter steckt die sogenannte Kariesinfiltration, u.a. entwickelt von Ärzten der Berliner Charité. Statt zu bohren, wird dort, wo Löcher drohen, die oberste Zahnschicht mit Gel gelöst und anschließend mit Kunststoff verschlossen. Vorteil: Gesunde Zahnsubstanz wird kaum zerstört, alles bleibt schön weiß. Aber bevor Sie jetzt juchzend mit Ihren Uraltkratern zum Zahnarzt laufen – die Methode funktioniert leider nur bei leichten Kariesschäden. Und: Ob die Karies langfristig wegbleibt, ist unklar. Immerhin ist das Ganze schmerzfrei. Kosten: um 100 €.

Bohren überflüssig: Eine neue Methode der Kariesbehandlung erhält die gesunde Zahnsubstanz

04. Januar 2010 Familie & Co.

Die Angst vor dem Bohrer beim Zahnarzt sitzt bei vielen Kindern und Erwachsenen tief. Kieler und Berliner Wissenschaftler haben nun eine Methode zur Behandlung von Karies entwickelt, die das gefürchtete Instrument überflüssig macht.

Das neue Verfahren ist schmerzfrei und wird ausschließlich bei beginnender und mittlerer Karies eingesetzt. Dabei wird die Zahnoberfläche zunächst mit einem Gel vorbereitet und mit Alkohol getrocknet. Dann werden die kariösen Stellen mit einem speziellen Kunststoff verschlossen. Dieser Vorgang heißt Kariesinfiltration und verhindert, dass weitere Bakterien in den Zahn eindringen. Auf diese Weise wird die Karies gestoppt.

Großer Vorteil: Die Zahnsubstanz wird erhalten, es wird nichts vom gesunden Zahn weggebohrt – besonders wichtig für Kinderzähne, die ja noch ein Leben lang halten sollen. Die Methode wird bereits von vielen Zahnärzten angeboten, aber noch nicht von allen Krankenkassen bezahlt.

„Bohren? Nein Danke!“

31. Dezember 2009 ZM | Zahnärztliche Mitteilungen

Unter dem Motto „Bohren? Nein Danke!“ macht DMG im Großraum Hamburg mit Plakaten, in S-Bahnen und auf Litfasssäulen auf die innovative Methode Icon aufmerksam. Icon ermöglicht es Zahnärzten, beginnende Karies ohne Bohrereinsatz zu behandeln. Es basiert auf einem flüssigen Dental-Kunststoff, der in die Poren des angegriffenen Zahnschmelzes eindringt. Dieser „Infiltrant“ wird mit Licht ausgehärtet, die beginnende Karies ohne Bohrereinsatz gestoppt. „Wir wollen mit der Werbekampagne das Interesse an Icon erhöhen und die Betrachter motivieren, sich verstärkt mit dem Thema Karies auseinanderzusetzen“, so Ralf Luhmann, Marketingleiter bei DMG. Neben Postern und Plakaten ist auch ein Kinospot geschaltet, der nicht zuletzt mit dem Geräusch eines Bohrers Aufmerksamkeit erregt.

Revolution in der Praxis

30. Dezember 2009 Badische Zeitung Online

Hat der Zahnarztbohrer ausgedient?

Bohren? Nein Danke! Ein Hamburger Unternehmen versucht Karies mit Chemikalien zu stoppen. Mit der sanften Methode soll der Zeitpunkt des Bohrens um zehn Jahre nach hinten geschoben werden. Ein Traum?

Beim bloßen Gedanken an den Zahnarztbesuch wird vielen flau im Magen. Besonders gefürchtet ist, wenn Mann oder Frau im weißen Kittel zum Bohrer greift. Doch bei kleinen Löchern in den Zähnen könnte das künftig passé sein. Zahnmediziner Hendrik Meyer-Lückel und Sebastian Paris von der Universität Kiel haben eine Substanz entwickelt, die eine beginnende Karies stopp, ohne das ein Teil des Zahns entfernt werden muss.

2007 wurden die beiden Erfinder mit dem Innovationspreis Berlin-Brandenburg geehrt. Das Hamburger Medizintechnikunternehmen DMG Chemisch-Pharmazeutische Fabrik GmbH vermarktet den Kariesstopper samt Applikator seit einigen Monaten. Der Verkauf sei gut angelaufen, freut sich Meyer-Lückel. Mit dem Slogan „Bohren? Nein danke!“ auf runder, grüner Plakette rüttelt DMG niedergelassene Zahnärzte auf und knüpft unerschrocken an die Anti-Atomkraftbewegung der achtziger Jahre mit „Atomkraft? Nein danke!“ an. Den Werbeslogan haben sich die Marketingexperten von DMG ausgedacht. Aber er passt auch trefflich zu den Zahnmedizinern, die eine Revolution in den Köpfen der Dentisten anstoßen wollen. „Es ist ein Traum, die Philosophie in den Praxen zu verändern, dass man weniger bohrt und mehr vom Zahn erhält“, bekräftigt Meyer-Lückel.

Die häufigste Karies sitzt hierzulande zwischen den Zähnen, just unterhalb des Kontaktpunktes Beißer. Um sie zu entfernen, wird die gesunde Zahnsubstanz darüber weggebohrt, weil der Arzt nur so an das Loch herankommt. Diese Grobsanierung gerät mit dem Kariesstopper zur schonenden Restaurierung: die Zähne werden mit einem winzigen Keil um Haaresbreite auseinander gerückt.

Die Oberfläche an der Stelle der Karies wird mit Salzsäure leicht angeätzt, weil jede Läsion immer von einer fast undurchlässigen Schicht überzogen ist. Dann wird das flüssige Produkt aufgetragen. Wie Wassertropfen in einen Zuckerwürfel sickert es in die kariöse, porenreiche Partie. Anschließend härten Substanzen im Kariesstopper im ultravioletten Licht zu Kunststoff aus. Die Poren der kariösen Regionen sind gefüllt. Diese Technik der „Kariesinfiltration“, wie Paris und Meyer-Lückel sie nennen, funktioniert bei beginnender Karies im Zahnzwischenraum.

„Das ist eine hochinteressante Methode“, findet Roland Frankenberger von der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung. Der große Vorteil sei, dass nicht gebohrt werden muss. Allerdings hat die Technik auch einen Nachteil, so Frankenberger: Im Röntgenbild kann man nicht erkennen, ob der Zahn saniert wurde. Dafür bekommt der Patient einen Pass, in dem die infiltrierten Stellen aufgelistet sind.

Der Kariesstopper wird das gefürchtete Werkzeug auch nie ganz aus den Praxen verdrängen. „Es wäre toll, wenn wir den Zeitpunkt des Bohrens mit unserer Therapie vielleicht um zehn Jahre nach hinten verschieben können“, hofft Meyer-Lückel. „Dann ersparen wird dem Patienten am Ende den Zahnersatz.“ Ob die Methode so viel Aufschub gewährt, beobachten Paris und Meyer-Lückel derzeit an 27 Probanden. Vor zwei Jahren wurde bei den Patienten je eine Karies mit dem Kitt blockiert, während eine zweite an einem anderen Zahn ungehindert voranschreitet. „Es steht drei zu elf“, berichtet Meyer-Lückel. In drei gefüllten Zähnen der Testpersonen hat sich die Karies ausgeweitet verglichen mit elf unbehandelten. „Das waren auch die drei tiefsten Läsionen. Da scheinen wir an die Grenzen der Therapie zu stoßen.“ Bei großen Löchern reicht die sanfte Methode folglich vermutlich nicht aus.

Neben der Behandlung der Karies im Zahnzwischenraum eignet sich das neue Produkt aber auch für weiße Flecken an der Zahnfront, wie sie nach dem Abnehmen der Zahnspange auftreten. Die Verfärbungen zeugen von angegriffenem Zahnschmelz, der sich mit dem Kitt restaurieren lässt. Binnen einer Viertelstunde seien die Flecken verschwunden, erinnert sich Paris an seinen ersten Patienten.

Zahnarzt Martin Drexler aus Bönen hat den Kariesstopper auf einer Messe im Juli entdeckt und ihn seither ebenfalls bei drei Patienten angewandt. „Auf den ersten Blick wirkt es. Die kreidigen Flecken werden schwächer“, schildert er. Viele Patienten würden sich dennoch gegen das Produkt entscheiden, weil sie es selbst bezahlen müssten und die Behandlung bei ihm insgesamt mit knapp 90 Euro zu Buche schlägt.

Obwohl Drexler die Innovation sehr reizvoll findet, bleibt er vorsichtig. „In 21 Jahren Berufserfahrung habe ich zu viele Produkte gesehen, die hoch gelobt wurden und dann wieder verschwunden sind.“ Vorsichtshalber will er die sanierten Zähne der drei Patienten deshalb auch alle zwei Jahre im Röntgenbild inspizieren, um sicher zu gehen, dass der Verfall nicht weiter voranschreitet.

Dessen ungeachtet steht der Kariesstopper in Drexlers Augen für einen unaufhaltsamen Trend: Wurde der Zahnarzt einst salopp Klempner genannt, weil er vor allem bohrte, fräste und Verplombte, wandelt er sich heute mehr und mehr zum Chemiker, der die Zahnsubstanz ergänzt und klebt.

Karies-Stopp ganz ohne Bohrer

18. November 2009 Freundin

Geniale Sache!

Uni-Forscher aus Berlin und Kiel haben ein Gel erfunden, das den Zahnarzt-Bohrer bei kleineren Löchern ersetzt. Der Dental-Kunststoff stoppt die Karies völlig schmerzlos. Mehr Infos unter: www.bohren-nein-danke.de

Die Angst sitzt mit auf dem Stuhl

16. November 2009 ZM | Zahnärztliche Mitteilungen

Bohrer, Schmerzen, Angst und Panik – diese Assoziationen verbindet fast die Hälfte von über 1000 Befragten mit dem Gang zum Zahnarzt. Das zeigte eine Umfrage im Auftrag von DMG. Da wundert es nicht, dass insgesamt 48 Prozent Angst vor der Zahnuntersuchung haben. Über die Hälfte der Befragten hat jedoch nur dann Angst, wenn gebohrt werden muss. „Es war unser Ziel, einen Weg zu finden, Karies auch ohne Bohren zu behandeln“, so Oberarzt PD Dr. Hendrik Meyer-Lückel, Uniklinik Kiel. Zusammen mit Dr. Sebastian Paris ist er maßgeblicher Entwickler der Kariesinfiltration. Beginnende Karies kann dabei ohne Bohren, Schmerzen, und fast ohne Verlust gesunder Zahnsubstanz behandelt werden. Die Methode basiert auf einem flüssigen Kunststoff mit dem Markennamen Icon (Hersteller DMG), mit dem krankhafter Zahnschmelz aufgefüllt und verschlossen wird.

Karies | Nie wieder bohren

05. November 2009 Heilberufe

Wissenschaftler der Charité und der Universität Kiel entwickelten einen Kunststoff, mit dem Karies im Anfangsstadium ohne Bohren behandelt werden kann. Seit April ist das Produkt mit dem Namen „Icon“ auf dem Markt. Die Methode ist geeignet, wenn die Kariesstelle auf den Zahnschmelz begrenzt ist und maximal das erste Dentaldrittel erreicht ist. Die kranke Stelle wird mit einem Salzsäuregel vorbehandelt, dann trägt der Arzt die Iconflüssigkeit auf. Abschließendes Bestrahlen mit UV-Licht härtet den Kunststoff aus. Die Herstellerfirma Dental Material Gesellschaft erhielt dafür einen Innovationspreis. Die Behandlung muss aus eigener Tasche bezahlt werden und kostet circa 100 €.

Nie wieder bohren?

15. Oktober 2009 SUPERillu

KARIES | In Zukunft kann der Zahnarzt kleine Karies-Stellen schmerzfrei behandeln. Ein neuartiger Kunststoff macht’s möglich.

Jeder Dritte würde sich am liebsten vorm Zahnarztbesuch drücken. Vielen macht allein schon das Geräusch des Bohrers Angst. Andere fürchten die Betäubungsspritze oder Schmerzen beim Bohren. Doch das alles könnte bald der Vergangenheit angehören. Entwicklung. In jahrelanger Forschungsarbeit haben Wissenschaftler der Charité Berlin und der Universität Kiel einen neuen Kunststoff entwickelt, mit dem man Karies ganz ohne Bohrer behandeln kann. Seit April ist das Produkt unter dem Namen „Icon“ auf dem Markt. Hersteller ist die Hamburger Firma Dental Material Gesellschaft (DMG), die für ihr Produkt einen Innovationspreis erhielt. „Rechtzeitig entdeckt, kann Zahnschmelzkaries dank Icon patientenfreundlich und vor allem schmerzfrei in nur einer Sitzung behandelt werden“, lobt der Zahnmediziner Dr. Sebastian Paris (Uniklinik Kiel), einer der Miterfinder, die neue Therapie. Einsatz. Geeignet ist die Methode der sogenannten Infiltration nur im Frühstadium. Das heißt: die Kariesstelle muss auf den Zahnschmelz begrenzt sein oder darf im Röntgenbild maximal das erste Dentindrittel (Zahnbein) erreicht haben. Hat der Zahn bereits ein Loch, muss leider doch der Bohrer ran. Methode. Zunächst wird die verdächtige Stelle mit einem Salzsäuregel vorbehandelt. Es ätzt die äußere Kariesplaqueschicht weg und legt die Poren des Zahnschmelzes frei. Dann trägt der Zahnarzt die Icon-Flüssigkeit auf. „Ähnlich wie Wasser von einem Zuckerwürfel aufgesaugt wird, dringt der Flüssige Dental-Kunststoff in die winzigen Öffnungen des angegriffenen Zahnschmelzes ein“, erklärt Dr. Hendrik Meyer-Lückel von der Universitätsklinik Kiel das Prinzip. Durch anschließendes Bestrahlen mit UV-Licht härtet der Kunststoff aus. Sollten noch Kariesbakterien vorhanden sein, wird ihnen dadurch die Nährstoffzufuhr entzogen. Der Vorteil: Im Gegensatz zum Bohren muss keine Zahnsubstanz geopfert werden. Anwendung. Zahnärzte, die die Icon Methode bereits praktizieren, finden sie für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene besonders sinnvoll. Allerdings muss die schmerzfreie Behandlung bisher von den Patienten aus eigener Tasche bezahlt werden. Die Kosten belaufen sich auf etwa 100 Euro.

Karies-Behandlung ohne Bohrer

29. September 2009 Frau aktuell

Gute Nachrichten für alle, die sich beim Zahnarzt fürchten: Eine neue Behandlungsmethode kann den Bohrer ersetzen, und zwar mit der so genannten „Kariesinfiltration“ mit Icon. Dieser spezielle Kunststoff füllt den krankhaften Zahnschmelz auf und verschließt den Zahn. Dadurch wird Karies gestoppt – ohne Bohren, Schmerzen oder Verlust von Zahnsubstanz. Allerdings kann Icon nur bei Karies im Frühstadium eingesetzt werden. Das heißt: Wer regelmäßig zum Zahnarzt geht, wird mit einer Behandlung ohne Bohrer belohnt. Icon wurde von der Dental Material Gesellschaft (DMG) in Zusammenarbeit mit der Charité Berlin und der Universität Kiel entwickelt. Allerdings wird die neue Behandlungsmethode noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert. Gespräch mit den Krankenkassen laufen jedoch. Im Moment müssen Patienten die schonende Zahnbehandlung noch selbst bezahlen.

Neue Wege in der Karies-Behandlung

28. September 2009 Bella

Hat der Zahnarztbohrer ausgedient?

Für viele wäre das die Nachricht des Jahres! Denn drei von vier Personen fürchten beim Zahnarzt vor allem den Bohrer mit seinem durchdringenden Geräusch. Damit könnte bald Schluss sein. Denn neue Methoden der Karies-Behandlung setzen sich immer mehr durch: der Einsatz von Laser und die sogenannte Kariesinfiltration. Im ersten Fall handelt es sich um Laser-Typen, die auf Wasser reagieren. Kariöse Zähne enthalten viel davon. Karies lässt sich also mit Laser fast schmerzfrei verdampfen. Bei der Gel-Methode wird Karies zuerst mit einem Ätzgel entfernt. Dann wird die freigelegte Stelle getrocknet, mit Kunststoff aufgefüllt und gehärtet. Nachteil: Die Kasse zahlt beide Behandlungen nicht. Kosten: Zwischen 60 und 100 Euro pro Zahn. Fragen sie Ihren Zahnarzt, ob er diese Therapien schon anbietet.

Zahnbehandlung ganz ohne Bohren

25. September 2009 Fernsehwoche

Karies im Anfangsstadium kann nun schmerzfrei und ohne Bohrer behandelt werden. Die Berliner Charité und die Universitätsklinik Kiel haben eine neue Methode, die Kariesinfiltration, entwickelt: Nach einer Reinigung wird ein farbloses Gel in die Kariesstelle gefüllt und mit UV-Licht ausgehärtet. Die Kosten von rund 80 Euro zahlen die Kassen bislang noch nicht.

Stopfen statt bohren

15. September 2009 Die Rheinpfalz | Pfälzer Tageblatt

Eine neue Behandlungsmethode könnte den Zahnarztbesuch etwas angenehmer machen

Beim bloßen Gedanken an den Zahnarztbesuch wird vielen flau im Magen. Besonders gefürchtet ist, wenn Mann oder Frau im weißen Kittel zum Bohrer greift. Doch bei kleinen Löchern in den Zähnen könnte das künftig passé sein. Zahnmediziner Hendrik Meyer-Lückel und Sebastian Paris von der Universität Kiel haben eine Substanz entwickelt, die eine beginnende Karies stoppt, ohne dass ein Teil des Zahns entfernt werden muss.

2007 wurden die beiden Erfinder mit dem Innovationspreis Berlin-Brandenburg geehrt. Ein Hamburger Medizintechnikunternehmen vermarktet den Kariesstopper samt Applikator seit einigen Wochen. Der Verkauf sei gut angelaufen, freut sich Meyer-Lückel. Mit dem Slogan „Bohren? Nein danke!“ knüpft DMG unerschrocken an die Anti-Atomkraftbewegung der achtziger Jahre an. Den Werbeslogan passt auch trefflich zu den Zahnmedizinern, die eine Revolution in den Köpfen der Dentisten anstoßen wollen. „Es ist mein Traum, die Philosophie in den Praxen zu verändern, dass man weniger bohrt und mehr vom Zahn erhält“, bekräftigt Meyer-Lückel.

Die häufigste Karies sitzt hierzulande zwischen den Zähnen, unterhalb des Kontaktpunktes Beißer. Um sie zu entfernen, wird die gesunde Zahnsubstanz darüber weggebohrt, weil der Arzt nur so an das Loch herankommt. Diese Grobsanierung gerät mit dem Kariesstopper zur schonenden Restaurierung: die Zähne werden mit einem winzigen Keil um Haaresbreite auseinander gerückt. Die Oberfläche an der Stelle der Karies wird mit Salzsäure leicht angeätzt, weil jede Läsion immer von einer fast undurchlässigen Schicht überzogen ist. Dann wird das neue flüssige Produkt aufgetragen. Wie Wassertropfen in einen Zuckerwürfel sickert es in die kariöse, porenreiche Partie. Anschließend härten Substanzen im Kariesstopper im ultravioletten Licht zu Kunststoff aus. Diese Technik der „Kariesinfiltration“, wie Paris und Meyer-Lückel sie nennen, funktioniert bei beginnender Karies im Zahnzwischenraum. Der große Vorteil , so Roland Frankenberger von der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung, sei dass nicht gebohrt werden muss. Allerdings habe die Technik auch einen Nachteil, so Frankenberger: Im Röntgenbild kann man nicht erkennen, ob der Zahn saniert wurde. Dafür bekommt der Patient einen Pass, in dem die infiltrierten Stellen aufgelistet sind. Der Kariesstopper wird das gefürchtete Werkzeug auch nie ganz aus den Praxen verdrängen. „Es wäre toll, wenn wir den Zeitpunkt des Bohrens mit unserer Therapie vielleicht um zehn Jahre nach hinten verschieben können“, hofft Meyer-Lückel. Ob die Methode so viel Aufschub gewährt, beobachten Paris und Meyer-Lückel derzeit an 27 Probanden. Vor zwei Jahren wurde bei den Patienten je eine Karies mit dem Kitt blockiert, während eine zweite an einem anderen Zahn ungehindert voranschreitet. „Es steht 3:11“, berichtet Meyer-Lückel. In drei gefüllten Zähnen der Testpersonen hat sich die Karies ausgeweitet, verglichen mit elf unbehandelten. „Das waren auch die drei tiefsten Läsionen. Da scheinen wir an die Grenzen der Therapie zu stoßen.“ Neben der Behandlung der Karies im Zahnzwischenraum eignet sich das neue Produkt auch für weiße Flecken an der Zahnfront, wie sie nach dem Abnehmen der Zahnspange auftreten. Die Verfärbungen zeugen von angegriffenem Zahnschmelz, der sich mit dem Kitt restaurieren lässt. Binnen einer Viertelstunde seien die Flecken verschwunden, erinnert sich Paris an seinen ersten Patienten.

Zahnarzt Martin Drexler aus Bönen hat den Kariesstopper auf einer Messe im Juli entdeckt und ihn seither ebenfalls bei drei Patienten angewandt. „Auf den ersten Blick wirkt es. Die kreidigen Flecken werden schwächer“, schildert er. Viele Patienten würden sich dennoch gegen das Produkt entscheiden, weil sie es selbst bezahlen müssten und die Behandlung bei ihm insgesamt mit knapp 90 Euro zu Buche schlägt. Obwohl Drexler die Innovation reizvoll findet, bleibt er vorsichtig. „In 21 Jahren Berufserfahrung habe ich zu viele Produkte gesehen, die hoch gelobt wurden und dann wieder verschwunden sind.“ Vorsichtshalber will er die sanierten Zähne der drei Patienten deshalb auch alle zwei Jahre im Röntgenbild inspizieren, um sicher zu gehen, dass der Verfall nicht weiter voranschreitet.

Aus der Medizinforschung | Erfolgreich: Gel hilft gegen Karies

21. August 2009 Frau im Trend

Keine Angst mehr vor dem Zahnarzt: Die Kariesbehandlung ohne Bohren ist da! Forscher der Berliner Charité und der Kieler Uniklinik haben ein spezielles Kunststoff-Gel entwickelt, das Karies stoppt. Und so einfach geht’s: Auf die betroffenen Stellen des Zahns wird die farblose Masse aufgetragen, mit blauem Licht gehärtet – fertig! Der Kunststoff schließt die Karies ein und versiegelt den Zahn. Kleiner Nachteil: Das Verfahren funktioniert nur bei beginnender Karies, bei größerem Befall muss der Zahnarzt nach wie vor zum Bohrer greifen. Noch zahlen die Kassen das Verfahren nicht, die Kosten liegen bei ca. 80 Euro. Infos unter: www.bohren-nein-danke.de

Es muss nicht immer der Bohrer sein

19. August 2009 Stuttgarter Zeitung

Eine Flüssigkeit soll die Ausbreitung von Karies stoppen, ohne dass der Zahnarzt bohren muss. Von Susanne Donnerstag

Beim bloßen Gedanken an den Zahnarztbesuch wird vielen flau im Magen. Besonders gefürchtet ist, wenn Mann oder Frau im weißen Kittel zum Bohrer greift. Doch bei kleinen Löchern in den Zähnen könnte das künftig passé sein. Zahnmediziner Hendrik Meyer-Lückel und Sebastian Paris von der Universität Kiel haben eine Substanz entwickelt, die eine beginnende Karies stopp, ohne das ein Teil des Zahns entfernt werden muss.

2007 wurden die beiden Erfinder mit dem Innovationspreis Berlin-Brandenburg geehrt. Das Hamburger Medizintechnikunternehmen DMG Chemisch-Pharmazeutische Fabrik GmbH vermarktet den Kariesstopper samt Applikator seit einigen Wochen. Der Verkauf sei gut angelaufen, freut sich Meyer-Lückel. Mit dem Slogan „Bohren? Nein danke!“ knüpft DMG unerschrocken an die Anti-Atomkraftbewegung der achtziger Jahre an. Der Slogan passt zu den Zahnmedizinern, die eine Revolution in den Köpfen der Dentisten anstoßen wollen. „Es ist mein Traum, die Philosophie in den Praxen zu verändern, dass man weniger bohrt und mehr vom Zahn erhält“, sagt Meyer-Lückel. Die häufigste Karies sitzt hierzulande zwischen den Zähnen, just unterhalb des Kontaktpunktes Beißer. Um sie zu entfernen, wird die gesunde Zahnsubstanz darüber weggebohrt, weil der Arzt nur so an das Loch herankommt. Diese Grobsanierung gerät mit dem Kariesstopper zur schonenden Restaurierung: die Zähne werden mit einem winzigen Keil um Haaresbreite auseinander gerückt. Die Oberfläche an der Stelle der Karies wird mit Salzsäure leicht angeätzt, weil jede Läsion immer von einer fast undurchlässigen Schicht überzogen ist. Dann wird das neue flüssige Produkt aufgetragen. Wie Wassertropfen in einen Zuckerwürfel sickert es in die kariöse, porenreiche Partie. Anschließend härten Substanzen im Kariesstopper im ultravioletten Licht zu Kunststoff aus. Die Poren der kariösen Regionen sind gefüllt. Diese Technik der „Kariesinfiltration“, wie Paris und Meyer-Lückel sie nennen, funktioniert bei beginnender Karies im Zahnzwischenraum. „Das ist eine hochinteressante Methode“, findet Roland Frankenberger von der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung. Der Vorteil sei, dass nicht gebohrt werden müsse. Allerdings habe die Technik auch einen Nachteil, so Frankenberger: Im Röntgenbild kann man nicht erkennen, ob der Zahn saniert wurde. Dafür bekommt der Patient einen Pass, in dem die infiltrierten Stellen aufgelistet sind. Der Kariesstopper wird das gefürchtete Werkzeug nie ganz verdrängen. „Es wäre toll, wenn wir den Zeitpunkt des Bohrens mit unserer Therapie vielleicht um zehn Jahre nach hinten verschieben können“, hofft Meyer-Lückel. „Dann ersparen wird dem Patienten am Ende den Zahnersatz.“ Ob die Methode so viel Aufschub gewährt, beobachten Paris und Meyer-Lückel derzeit an 27 Probanden. Vor zwei Jahren wurde bei den Patienten je eine Karies mit dem Kitt blockiert, während eine zweite an einem anderen Zahn ungehindert voranschreitet. „Es steht drei zu elf“, berichtet Meyer-Lückel. In drei gefüllten Zähnen der Testpersonen hat sich die Karies ausgeweitet, verglichen mit elf unbehandelten. „Das waren auch die drei tiefsten Läsionen. Da scheinen wir an die Grenzen der Therapie zu stoßen.“ Bei großen Löchern reicht die sanfte Methode folglich vermutlich nicht aus.

Neben der Behandlung der Karies im Zahnzwischenraum eignet sich das neue Produkt auch für weiße Flecken an der Zahnfront, wie sie nach dem Abnehmen der Zahnspange auftreten. Die Verfärbungen zeugen von angegriffenem Zahnschmelz, der sich mit dem Kitt restaurieren lässt. Binnen einer Viertelstunde seien die Flecken verschwunden, erinnert sich Paris an seinen ersten Patienten. Zahnarzt Martin Drexler aus Bönen hat den Kariesstopper auf einer Messe im Juli entdeckt und ihn seither ebenfalls bei drei Patienten angewandt. „Auf den ersten Blick wirkt es. Die kreidigen Flecken werden schwächer“, schildert er. Viele Patienten würden sich dennoch gegen das Produkt entscheiden, weil sie es selbst bezahlen müssten und die Behandlung bei ihm insgesamt mit knapp 90 Euro zu Buche schlägt. Obwohl Drexler die Innovation reizvoll findet, bleibt er vorsichtig. „In 21 Jahren Berufserfahrung habe ich zu viele Produkte gesehen, die hoch gelobt wurden und dann wieder verschwunden sind.“ Vorsichtshalber will er die sanierten Zähne der drei Patienten deshalb auch alle zwei Jahre im Röntgenbild inspizieren, um sicher zu gehen, dass der Verfall nicht weiter voranschreitet. Dessen ungeachtet steht der Kariesstopper in Drexlers Augen für einen unaufhaltsamen Trend: Wurde der Zahnarzt einst salopp Klempner genannt, weil er bohrte, fräste und Verplombte, wandelt er sich heute mehr und mehr zum Chemiker, der die Zahnsubstanz ergänzt und klebt.

Karies erkannt…Bohrer gebannt!

19. August 2009 Echt Spitze

Endlich! Beginnende Karies kann jetzt ganz ohne Bohren behandelt werden!

Dazu wird der Zahnschmelz mit einem speziellen flüssigen Kunststoff aufgefüllt und verschlossen. Entwickelt wurden die Technik der „Kariesinfiltration“ von Wissenschaftlern der Charité Berlin und der Universitätsklinik Kiel in Zusammenarbeit mit DMG. Infos unter: www.dmg-dental.com sowie unter www.bohren-nein-danke.de

Bohren, nein danke!

12. August 2009 Laura

Diese Erfindung wird viele freuen, die Angst vorm Zahnarzt haben: Eine neue Technologie macht es möglich, beginnende Karies einzudämmen – ohne zu bohren. Ein spezieller, flüssiger Kunststoff umschließt den Zahnschmelz und stoppt so Karies im Frühstadium. Die Kosten für die Methode der „Kariesinfiltration“ liegen im Ermessen des Zahnarztes (etwa um 70 Euro). Krankenkassen zahlen die Behandlung nicht.

Endlich gibt es ein Verfahren gegen Karies ohne Bohren

07. August 2009 Neue Woche

Forscher der Berliner Charité und der Kieler Uniklinik haben einen Kunststoff („Icon“) entwickelt, der Karies stoppt. Bei der Erkrankung dringen Säuren über Poren in den Zahnschmelz und lösen gesunde Mineralien heraus. Das neue Gel verschließt diese Poren, sodass die Säuren nicht mehr eindringen können. Im Anschluss wird es mit Blaulicht gehärtet. Die Methode eignet sich jedoch nur bei beginnender Karies. Bei großen Löchern kommt der Bohrer zum Einsatz. Kosten: ab 80 € ( Kassen zahlen nicht).

Er hat gar nicht gebohrt

01. August 2009 Spectator Dentistry

DMG: Neue Kariestherapie mit Infiltration

Für die Kariesbehandlung gibt es seit kurzem eine neue Methode, die besonders bei Kindern gut einsetzbar ist: die so genannte Kariesinfiltration. DMG hat dieses Prinzip in Zusammenarbeit mit den Entwicklern in ein praxisreifes Produkt überführt.

Das Prinzip der Infiltration beruht auf dem Verschluss der Poren der Schmelzkaries mit einem speziellen Kunststoff, dem „Infiltranten“, der durch Kapillarkräfte in die Schmelzkaries penetriert. Dadurch werden die Diffusionswege für kariogene Säuren blockiert und die Karies arretiert. Die Progression früher Karies kann so ohne Bohrer in nur einer Behandlungssitzung gestoppt werden. Diese mikroinvasive Methode wurde maßgeblich von PD Dr. habil. Hendrik Meyer-Lückel und Dr. Sebastian Paris während ihrer Tätigkeit an der Charité in Berlin entwickelt. Die Wirksamkeit dieser Behandlungsmethode wird durch aktuelle Studienergebnisse gestützt, speziell auch für die Anwendung an Milchzähnen. Das Produkt dazu wird von DMG unter dem Namen Icon in Behandlungssets angeboten. Es ist sowohl für die approximale als auch die vestibuläre Anwendung geeignet.

3 Methoden gegen Karies

19. Juli 2009 Bild am Sonntag

Karies entfernen ohne Bohrer!

Viele Patienten wünschen sich das, denn Angst vorm Zahnarzt kommt meist von der Angst vorm Bohrer, der faule Stellen geräuschvoll und schmerzhaft aus dem Zahn fräst. Jetzt gibt es neue Methoden, die kleinen Löchern und Karies im Anfangsstadium ohne Bohrer zu Leibe rücken.

  1. OZON Das reizende Gas mögen Bakterien überhaupt nicht. Über eine Kappe wird der Karieszahn mit Ozon begast. Das dringt auch in kleine Poren des angegriffenen Zahns ein und sterilisiert ihn, tötet 99,9 Prozent der Zahnfäule verursachenden Bakterien. Anschließend werden dem Zahn zum Wiederaufbau über eine Lösung Mineralstoffe wie Fluor zugeführt. Kosten: etwa 30 bis 60 Euro (zahlt Patient selbst).

  2. KUNSTSTOFFGEL Schadstellen werden mit Säure und Alkohol ausgewaschen. Dann kommt ein versiegelndes Kunststoffgemisch mit dem Namen Icon drauf. Es wird vom beschädigten Zahn wie von einem Schwamm aufgenommen – und soll Kariesschutz für mehrere Jahre bieten. Kosten: etwa 60 bis 150 Euro.

  3. LICHTTHERAPIE Bei der Pact-Methode wird ein Farbstoff auf die Zähne gepinselt. Unter speziellem Rotlicht verwandelt der sich in ein antibakterielles Medikament, tötet Karies verursachende Bakterien ab. Soll auch bei Parodontitis helfen. Kosten: 20-40 Euro.

Die Zahnpfleger

17. Juli 2009 Handelsblatt

Hendrik Meyer-Lückel und Sebastian Paris haben eine Sustanz entwickelt, die eine beginnende Karies stoppt, ohne dass gebohrt werden muss.

Der Mann im Café mit den lockigen schwarzen Haaren sieht wie ein Musiker aus. Dabei ist Hendrik Meyer-Lückel, 36, Zahnmediziner an der Universität Kiel. Er hat habilitiert und ist Erfinder. Gemeinsam mit seinem 31-jährigen Kollegen Sebastian Paris hat er eine Substanz entwickelt, welche die Kariestherapie verändern könnte. Die Paste stoppt den Angriff auf den Zahnschmelz – ohne dass gebohrt werden muss. Vor zwei Jahren wurden die beiden Erfinder für die Idee mit dem Innovationspreis Berlin-Brandenburg geehrt. Inzwischen ist die Paste auf dem Markt. Seit acht Wochen vermarktet das Hamburger Medizintechnikunternehmen DMG den Kariesstopper – mitsamt dem Werkzeug zum Auftragen. Der Verkauf sei gut angelaufen, freut sich Meyer-Lückel. Mit dem Slogan „Bohren? Nein danke!“ auf runder, grüner Plakette rüttelt DMG niedergelassene Zahnärzte auf und knüpft an die Anti-Atomkraftbewegung der achtziger Jahre an, die damals mit „Atomkraft? Nein danke!“ erfolgreich war. Den Werbesolgan haben sich die Marketingexperten von DMG ausgedacht. Aber er passt auch hervorragend zu den beiden jungen Zahnmedizinern, die eine kleine Revolution in den Köpfen ihrer Kollegen anstoßen wollen. „Es ist mein Traum, die Philosophie in den Praxen zu verändern, dass man weniger bohrt und mehr vom Zahn erhält“, bekräftigt Meyer-Lückel. Die häufigste Karies sitzt hierzulande zwischen den Zähnen, unterhalb des Kontaktpunktes der beiden Beißer. Um sie zu entfernen, wird die gesunde Zahnsubstanz darüber weg gebohrt, weil der Arzt nur so an das Loch herankommt. Diese Grobsanierung entfällt mit dem neuartigen Kariesstopper und gerät zur schonenden Restaurierung. Dass die jungen Männer zu Erfindern werden würden, hätten sie sich nicht träumen lassen. Frappierend ähnlich sind beide Lebenswege. Die Eltern sind Ärzte, teils sogar Zahnmediziner. Den Söhnen fiel nichts Besseres ein als in ihre Fußstapfen zu treten. Auf die Frage, warum er sich für Zahnmedizin entschieden habe, sagt Meyer-Lückel: „Aus Mangel an Kreativität.“ Er lacht. „Auch aus Vernunftgründen, weil das Studium viel kürzer ist als das der Medizin“, fügt er hinzu.

Mit sanften Techniken wird nur wenig Zahn entfernt.

Sei’s drum. Im Studium flog die Kreativität dem gebürtigen Hessen und seinem Berliner Kommilitonen zu. Beide entdeckten Freude an diesem Fach, in das sie regelrecht hineingeschlittert waren. „Unser Produkt hätte ich selbst auch schon sieben, acht Mal in meinem Leben brauchen können“, sagt Meyer-Lückel. Doch damals musste er noch Kunststofffüllungen wählen. Meyer-Lückel ist über die gemeinsame Erfindung längst zum Verfechter der präventiven Zahnmedizin geworden. Als Vorsitzender der Stiftung innovative Zahnmedizin fördert er die sanften nicht- und mikroinvasiven Techniken - durch die gar kein oder nur sehr wenig natürliches Gewebe und Zahn entfernt werden. Mehr als zehn namhafte Professoren hat er im Beirat ums sich geschart. So sehr er dafür kämpft, den Bohrer zurückhaltender anzusetzen, so sehr ist ihm allerdings auch klar, dass das gefürchtete Werkzeug nie ganz aus den Praxen verschwinden wird. „Es wäre toll, wenn wir den Zeitpunkt des Bohrens mit unserer Therapie vielleicht um zehn Jahre nach hinten verschieben können“, sagt der Zahnmediziner. Vielleicht ersparen sie dem Patienten am Ende den Zahnersatz. Ob die beiden Erfinder tatsächlich so viel Aufschub gewinnen, beobachten sie derzeit in klinischen Tests an Probanden. Die neue Methode können Patienten in den Zahnarztpraxen schon jetzt wählen, allerdings übernehmen die Krankenkassen die Kosten noch nicht. Die Behandlung muss der Patient komplett selbst bezahlen. In seiner Doktorarbeit untersuchte Sebastian Paris an der Berliner Charité wie kariöse und damit poröse Zahnsubstanz sich füllen lässt. Betreut wurde er von Meyer-Lückel der über Kariesinfiltration habilitierte. Als beide an gezogenen Zähnen beobachteten, wie gut sie kleine Löcher, ohne zu bohren, füllen konnten, ahnten sie, dass daraus ein Produkt werden könnte. „Wir sahen das im Labor und dachten: Wow, cool!“, erinnert sich Meyer-Lückel. Die Idee sei aber gar nicht so spektakulär gewesen, nur den Weg sei vor ihnen niemand konsequent zu Ende gegangen. Generell gelten Zahnmediziner in Branchenkreisen als wenig erfinderisch. Handwerkszeug und Akribie sind gefragt, aber Einfallsreichtum nicht unbedingt. Paris und Meyer-Lückel schlagen insofern aus Art. Ziemlich aufgeregt waren beide, als sie den Kariesstopper zum ersten Mal einem Patienten auf die Zähne auftrugen. Dieser hatte nach dem Abnehmen einer Zahnspange weiße Flecken an der Zahnfront, Zeichen einer beginnenden Karies. Auch diese Flecken sollten sich mit der Therapie beseitigen lassen, wie Experimente der beiden Zahnärzte im Labor gezeigt haben. Trotzdem war Paris überrascht, als die Unregelmäßigkeiten schon nach einer Viertelstunde fast verschwunden waren.

„Der Patient war sehr zufrieden“, erinnert sich der Forscher. „Um den Hals gefallen ist er mir aber nicht.“ Meyer-Lückel entsinnt sich auch noch gut an dieses erste Mal. Noch heute zeigen sie auf Kongressen die Bilder, weil es so toll geklappt hat. „Wir haben aus einem suboptimalen Lächeln ein ansehnliches Lächeln gemacht.“ So klingt es, wenn ein nüchterner und ein emotionaler Zahnarzt über denselben Patienten berichten. Heute sind aus dem einstigem Doktorvater und seinem Assistenten Freunde geworden. Die gemeinsame Arbeit im Labor hat sie zusammengeschweißt. So touren sie gemeinsam mit dem Rucksack durch Thailand oder die beiden Familien treffen sich in Kiel. „Wir haben zusammen drei Kinder“, sagt Meyer-Lückel und meint seine beiden sowie Paris’ sieben Monate alten Sohn. Familie ist für beide das Wichtigste. Ein paar Mal im Jahr kümmert sich Meyer-Lückel nicht um Zähne und die Familie, sondern ist tatsächlich Musiker. Er rockt auf der Bühne, bis die Zuhörer beben. Zusammen mit einem Gitarristen verfremdet er als Sänger bekannte Rocksongs. Mitte Juni trat seine Band H&M Classicrock beim Fête de la Musique in Berlin auf. „Da waren bestimmt 700 Leute, die wir richtig begeistern konnten.“

Karies stoppen ohne Bohren

16. Juli 2009 KN-Online – Kieler Nachrichten

Eigentlich wäre der Besuch beim Zahnarzt in Zeiten von Mundhygiene und regelmäßiger Prophylaxe ja halb so wild – wäre da nicht diese tief verwurzelte Angst vor dem Bohrer, die die meisten Patienten spätestens beim Betreten der Praxis überfällt. Kieler und Berliner Zahnmediziner haben jetzt eine neue Methode zur Behandlung von Karies entwickelt, die den gefürchteten Bohrer überflüssig macht.

„Bisher musste sich der Zahnarzt bei beginnender Karies immer fragen, ob er da schon reinbohren und damit gesunde Zahnsubstanz entfernen soll“, erklärt Hendrik Meyer-Lückl, Oberarzt an der Zahnklinik des Kieler Universitätsklinikums und einer der Entwickler der „mikroinvasiven Behandlung der Karies durch Kunststoffinfiltration“. Dieses Verfahren erhält nicht nur die Substanz der Zähne, sondern ist für die Patienten absolut schmerzfrei. Im ersten Schritt wird die Zahnoberfläche mit einem Gel vorbereitet, anschließend wird sie mit Alkohol getrocknet. Durch das Einbringen eines speziellen Kunststoffes (Infiltration) werden die kariösen Stellen verschlossen. „Das ist, als ob man einen Zuckerwürfel in Kaffee hält: die Karies saugt den Kunststoff auf“, sagt Meyer-Lückel. Bakterien könnten nicht mehr in den Zahn eindringen, Karies werde gestoppt.

Allerdings: Das bohrerfreie Verfahren eignet sich ausschließlich zur Behandlung von beginnender und mittlerer Karies, betont der 36-jährige Zahnmediziner. „Bei tiefer Karies muss man trotzdem bohren.“ Gemeinsam mit Sebastian Paris hat Meyer-Lückel seit 2004 erst an der Berliner Charité, dann in Kiel die frühzeitige Blockierung von Säuren erforscht, die von Kariesbakterien gebildet werden und letztlich zur Zerstörung der Zähne führen. Jetzt ist das Ergebnis dieser wissenschaftlichen Arbeit, die 2007 mit dem Innovationspreis Berlin/Brandenburg ausgezeichnet worden ist, „praxisreif“. Die Hamburger Firma DMG hat die Lizenz zur Vermarktung erworben und vertreibt sie nun als innovatives Produkt.

Einer, der in seiner Praxis erste Erfahrung damit gesammelt hat, ist Zahnarzt Andreas Schult aus Bramstedt. Für ihn steht weniger die Erleichterung für die Patienten durch den Verzicht aufs Bohren im Vordergrund, als vielmehr der Erhalt gesunder Zahnsubstanz. „Man kann verhindern, dass sich die Erkrankung wieder ausbreitet, ohne in die Karies reinbohren zu müssen.“ Die Patienten stünden der Sache zunächst mit „gesunder Skepsis“ gegenüber. Auch Schult betont, dass die „sehr hochwertige Technik“ nur zum Einsatz kommen könne, wenn die Patienten ihre Prophylaxe-Termine einhielten. „Nur so können wir Karies im frühen Stadium erkennen.“ Noch ist diese Art der Kariesprävention keine Kassenleistung, doch laut Hendrik Meyer-Lückel „laufen bereits Verhandlungen mit den Krankenkassen.“

Revolution beim Zahnarzt | Gel hilft gegen Karies

14. Juli 2009 Bild

Keine Angst mehr vorm Zahnarzt

Die Karies-Behandlung ohne Bohren ist da! Forscher der Berliner Charité und der Kieler Uniklinik haben einen speziellen Kunststoff entwickelt, der die Karies stoppt. Auf die betroffene Stelle des Zahns wird die farblose Masse aufgetragen, mit blauem Licht gehärtet – fertig! Der Kunststoff schließt die Karies ein und versiegelt den Zahn. Leider funktioniert das Verfahren nicht bei großen Löchern – hier muss der Zahnarzt immer noch zum Bohrer greifen. Noch zahlen die Krankenkassen für das Verfahren, das von der Hamburger Firma DMG angeboten wird, nicht. Die Kosten für Patienten liegen bei rund 80 Euro.

Neue Wege in der Therapie des beginnenden Karies

02. Juli 2009 Top Magazin | Sauerland

Es gibt kaum eine andere medizinische Disziplin, bei der durch professionelle Prophylaxe so viel erreicht werden kann wie in der Zahnmedizin. Immerhin geben rund 90 Prozent aller Deutschen an, dass ein gesundes, schönes Lächeln viel zur Selbstachtung und zu einem gelungenen Auftritt beiträgt. Kein Wunder also, dass sich die Praxis von Dr. Nadine Griesenbrock mitten in der Lüdenscheider City an die Spitze moderner Entwicklungen setzt und für viele Probleme die perfekte, individuelle Lösung bereithält.

Das Prophylaxekonzept lässt sich dabei sowohl auf Kinder als auch auf Erwachsene anwenden. Das Spektrum der möglichen Leistungen reicht von der professionellen Reinigung der Zähne bis hin zur Behandlung von Zahnfleischtaschen und gibt damit beste Gewähr für ein langes Zahn-Leben. Sollte es aber schon einmal zu Destruktionen, also kariösen Defekten, gekommen sein, so muss heutzutage niemand mehr Angst vor dem Zahnarzt haben. Das gilt erst recht für Patienten des freundlichen Teams rund um Dr. Griesenbrock. Denn bei vielen Diagnosen bleibt das Bohren erspart. „Bohren? Nein danke“, bringt die Zahnärztin das Therapiekonzept auf den Punkt. Stattdessen wendet sie beispielsweise das Heal Ozone-System an: Es setzt auf die stark desinfizierende und heilende Wirkung von Ozon. Dr. Nadine Griesenbrock: „ Mit dem Ozon rücken wir bei leichten Defekten ganz sanft der zerstörten Zahnsubstanz auf den Leib. Das Ozon sorgt, ähnlich einem Bohrer, dafür, dass keine kranke Substanz mehr bleibt, bevor wir die Füllung setzen.“ Das, so Dr. Griesenbrock weiter, funktioniere aber nur bei leichten Destruktionen – und verweist damit wieder auf die wirkungsvolle Prophylaxe, die Karies vermeiden hilft. Ebenfalls neu und hochwirksam ist „Icon“: Dabei handelt es sich nicht um kleine Computerbilder, sondern ein Therapiesystem, mit dem sich die so genannte „Anfangskaries“ behandeln lässt. Das Prinzip: Flüssiger Dental-Kunststoff wird in die kleinen Öffnungen, die die Karies verursacht, nach gründlicher Reinigung gegeben. Der Kunststoff härtet unter UV-Licht aus, die Mikro Destruktion ist beseitigt. Damit wird großflächige Karies schon im Anfangsstadium effektiv gestoppt. Das System wendet Dr. Griesenbrock sowohl bei Kindern als auch erwachsenen Patienten an. Es unterstreicht den maximalen medizinischen Standard, den die Praxis bietet, wirkungsvoll.

Neben diesen prophylaktischen und noninvasiven Therapiemethoden bietet die Praxis die komplette Bandbreite moderner Zahnheilkunde. So kümmert sich das Praxisteam unter anderem um Angstpatienten, die mittels eines ausgeklügelten Programms angstfrei in die Praxis kommen. Im Bereich der Zahnästethik setzt Dr. Nadine Griesenbrock auf das Cerec-System, dass pass- und zahnfarbengenau Keramikfüllungen generiert. Einen großen Teil nimmt die Implantologie ein. Statt loser Prothetik werden dabei Anker in die Kieferknochen gesetzt, auf denen später perfekte Kunststoff- und Keramikbrücken sitzen. Das alles geschieht dank des MonaDent-Systems schmerz- und komplikationslos. Binnen kurzer zeit sind die Implantate eingeheilt – und belohnen Patient und Umwelt mit einem exquisiten Lächeln.

Hurra! Berliner Forscher stoppen Zahnarzt-Bohrer

04. Mai 2008 Berliner Kurier

Hohlraumversiegelung für Zähne mit Karies

98 Prozent aller Deutschen haben Karies – und 100 Prozent Angst vor dem Zahnarzt. Aber eine Berlin Erfindung soll den Bohrer seltener heulen lassen. Eine Gruppe von Zahnmedizinern der Charité hat eine Methode entwickelt, mit der man beginnende Karies stoppen kann. Am Anfang einer Karies zerfrisst von Bakterien gebildete Säure den Zahnschmelz. Dr. Hendrik Meyer-Lückel: „Wir haben nach langjähriger Forschung zeigen können, dass ein flüssiger Dental-Kunststoff in die außerordentlich kleine Öffnungen des angegriffenen Zahnschmelzes eindringt wie Wasser in einen Zuckerwürfel.“ Wird der lichtdurchlässige Schmelz mit UV-Licht bestrahlt, härtet der Kunststoff aus: Der Kariesprozess wird gestoppt, zumindest verlangsamt. Die Hamburger Firma DMG, die Dentalmaterialien herstellt, hat jetzt die Lizenz für das Verfahren erworben. Sie will den Kunststoff verbessern und ein Gerät entwickeln, mit dem er auf den Zahn gebracht wird. In etwa einem Jahr könnte das Verfahren, das vor allem bei jüngeren Patienten angewendet werden soll, praxisreif sein.